Hitlerjunge Quex – Ein Vorbehaltsfilm

21.06.2014 cleaulem

Vor einigen Tagen hatte ich das „Vergnügen“, den Film „Hitlerjunge Quex“ zu sehen. Dieser Film ist ein Vorbehaltsfilm, das heißt er darf nach den Vorgaben des Rechteinhabers, der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, nur unter strengen Auflagen öffentlich gezeigt werden. So muss der Vorführung eine historische Einführung von einem fachkundigen Leiter vorangehen. Ich habe den Film an der Universität Mainz gesehen, wo im Vorfeld ein halbstündiger Vortrag einer Geschichtsdozentin die Hintergründe des Filmes beleuchtete.

Ich will hier nicht den ganzen Inhalt des Films wiedergeben, sondern werde nur den Eindruck beschreiben, den er auf mich gemacht hat. Den Inhalt kann man in der Wikipedia nachlesen. Auch kann man eine interessante Interpretation bei heise lesen.

Kurz gesagt geht es im Film um den jungen Heini Völker, dessen Vater Kommunist ist. Er soll wie sein Vater der Partei beitreten. Doch die im Film als Kommunisten dargestellte Chaostruppe ist für Heini nicht gerade einladend. So ist er von der Hitlerjugend fasziniert, die Disziplin, Sauberkeit und Kameradschaft verkörpern. Er wird nach einigen Widrigkeiten schließlich Hitlerjunge, was den Zorn der Kommunisten auf sich zieht, die in Heini einen Verräter sehen. So kommt es, dass Heini von einer kommunistischen Meute heimtückisch ermordet wird.

Die Wirkung des Films

In den Film bin ich nicht mit besonderen Erwartungen hineingegangen. Ich wusste, dass „Hitlerjunge Quex“ ein Vorbehaltsfilm ist, doch dachte ich, dass er auf mich schon nicht so einen großen Eindruck machen würde. Ich halte mich selbst, was den Nationalsozialismus angeht, für ausreichend aufgeklärt und ideologisch gefestigt, so dass ich mich nicht von dem Film vereinnahmen lassen würde.

Als ich aus dem Film herauskam, war ich fix und fertig. Ich kann jetzt sehr gut verstehen, dass dieser Film nicht ohne Auflagen öffentlich gezeigt werden darf. Denn er ist richtig gefährlich.

Unsere Sehgewohnheiten sind nun mal so, dass Nazis in Filmen immer Unsympathen und Verbrecher sind. Das ist ja auch ganz richtig so, denn die Filme zeigen, wenn auch öfters überzeichnet, die Realität. „Hitlerjunge Quex“ war nun der erste Film den ich gesehen habe, in dem die Nazis die Sympathieträger, die „Guten“ sind. Ich hätte nie damit gerechnet, dass das einen so großen Eindruck macht.

Ich weiß um die Verbrechen des Nationalsozialismus, dass durch diese verbrecherische Ideologie Millionen Unschuldige den Tod fanden. Ich weiß, wie falsch er ist und wie er durch Rassismus und Nationalismus die Gedanken vieler Menschen bis heute vergiftet. So war es schon heftig für mich, wie uneingeschränkt positiv der Nationalsozialismus in diesem Film dargestellt wird. In diesem Film steht er für Kameradschaft, Loyalität, Gehorsam und Vaterlandsliebe. Attribute, die dort in einem absolut positiven Licht erscheinen.

Die Kommunisten in diesem Film sind eine verlotterte, disziplinlose Gaunerbande, die nur dem Hedonismus frönt. Im Lager der „Kommune“, in das Heini von seinem Vater geschickt wird, wird geraucht und getrunken. Jungen und Mädchen hauen sich gegenseitig auf die Hintern und der Lagerleiter schmeißt Brot- und Wurststücke achtlos in die Menge, so dass sich die Jugendlichen wie Tiere um die Nahrung balgen. Auch später im Film wirken die Kommunisten wie halbseidene Gauner, die nie was Gutes im Schilde führen.

Sehr interessant in diesem Film ist der Hauptcharakter Heini. Auf mich machte er eher den Eindruck eines reichlich naiven Trottels. Wenn man sich den Film mal etwas genauer anschaut, merkt man tatsächlich, dass Heini nicht gerade der Hellste zu sein scheint. Doch dies wird durch ideologische Hingabe mehr als wettgemacht. Nachdem Heini der HJ beigetreten ist, warnt man ihn von allen Seiten, sich ja nicht wieder in seinem Kiez blicken zu lassen, da es die Kommunisten sicher auf ihn abgesehen haben. Die Kommunisten selbst warnen ihn, eine Bekannte warnt ihn, sogar sein HJ-Führer warnt ihn.

Seine Mutter versucht, sich und Heini mit Gas (wie unfassbar ironisch!!!) umzubringen. Die Mutter stirbt und Heini überlebt nur knapp. Doch niemand kann Heini davon abbringen, in seinem Kiez aktiv mitzumachen. Seinen HJ-Führer, der sich ernsthaft um ihn sorgt, überzeugt Heini schließlich mit der Aussage, im Krieg hätten die Soldaten doch auch nicht gekniffen, wenn da mal geschossen wurde. Darauf ist der Führer von Heinis „Soldatenmut“ angetan und schickt ihn sogleich an die vorderste Front.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Alle, aber auch wirklich alle sagen, Heini sollte sich dort nicht blicken lassen. Doch die Berufung auf die sogenannte Ehre lässt alle diese Bedenken vergessen. Das ist der Ausdruck höchster Idiotie, die in diesem Film als erstrebenswert dargestellt wird. Heini ist dort ein Held.

Mein Fazit

Ich bin froh, dass ich nicht in dieser Zeit aufgewachsen bin. Aus meiner heutigen Sichtweise mit dem Wissen über die wahren Hintergründe kann ich mich kritisch mit diesem Film auseinandersetzen. Doch damals als junger Mensch, der weltanschaulich eine weiße Leinwand darstellte, hätte ich mich wohl auch nicht der Botschaft dieses Filmes entziehen können.

So fiel es mir schon manchmal schwer, mich nicht von der Aussage des Films in den Bann ziehen zu lassen. Die Nazis sind nun mal die Sympathen. Man muss dabei immer im Hinterkopf behalten, was für eine Truppe von Verbrechern diese Menschen in Wirklichkeit waren. In der Realität war es doch eher so, dass die Nazis zuerst zuschlugen. Im Film waren die Kommunisten die Aggressoren, die die unbescholtenen Hitlerjungen traktierten. In der Realität waren die Nazis sehr sehr häufig die Aggressoren.

Es ist gut, dass der Film ein Vorbehaltsfilm ist. Junge Menschen, die noch nicht moralisch gefestigt sind, könnten selbst heute noch von diesem Film manipuliert werden und Schaden nehmen. Dieser Film ist wirklich gefährlich. Natürlich kann man die Praxis der Murnau-Stiftung kritisieren. Doch der Zweck dieser Praxis, die Öffentlichkeit vor der Wirkung dieses Films zu schützen, ist absolut gerechtfertigt.

Kategorie: Allgemein
Stichwörter:

« - »

Keine Kommentare»»

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag- Trackback

Schreibe einen Kommentar!

Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> .

%d Bloggern gefällt das: