Reisefreiheit

24.06.2014 cleaulem

In Deutschland herrscht Freizügigkeit. Das bedeutet nicht, dass wir alle überall nackt rumlaufen dürfen, sondern dass wir uns in diesem Land frei bewegen dürfen, ohne dass uns dabei unverhältnismäßige Grenzen gesetzt werden. Dies beinhaltet auch die sogenannte Reisefreiheit, also die Freiheit, ins Ausland zu reisen. Die einzigen Grenzen, die dabei im Normalfall gesetzt werden, sind die Einreisebestimmungen des Gastlandes. Oder die ökonomische Situation.

Genau darum geht es mir. Theoretisch können wir überall hin reisen. Ob für einen Kurztrip zu unseren Nachbarn (z.B. Frankreich oder Polen) oder nah Thailand oder anderen exotisch klingenden Ländern. Uns werden da keine Grenzen gesetzt. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich. Zu DDR-Zeiten konnten die DDR-Bürger nicht ohne weiteres ins Ausland reisen. Schon für das sozialistische Ausland war es schwer eine Reisegenehmigung zu bekommen, für den Westen war es schlicht unmöglich. In Polen gab es dagegen interessanterweise Reisefreiheit. Man konnte ohne weiteres als Pole in die BRD reisen, was für einen DDR-Bürger unmöglich war.

Heute haben alle Deutschen Reisefreiheit. Doch man muss es sich leisten können. Und hier liegt das Problem. Natürlich gibt es noch Legionen an Urlaubern, die mindestens einmal jährlich in den Süden fliegen können, doch es werden weniger. Immer mehr müssen die Leute an solchem Luxus sparen. Konnte man sich früher einen Urlaub leisten, muss man von dem Geld, das man dafür ausgegeben hatte, nun die allernötigsten Ausgaben bestreiten, weil es sonst vorne und hinten nicht reicht. Da kann man sich Reisen nicht leisten.

Mir geht es momentan so. Ich kann mir in meiner jetzigen Situation keine größere Reise leisten, weil das Geld für andere dringendere Dinge draufgeht. Und da merke ich schon die praktischen Grenzen der theoretischen Freheit. Man muss sich seine Freiheiten auch leisten können. Ich habe mal das Zitat gelesen, Freiheit sei „das Recht, ein Ferienhaus an der Toskana zu haben und in seiner eigenen Yacht im Mittelmeer zu fahren“. Ob das der genaue Wortlaut war, weiß ich nicht mehr, aber der Sinn kommt rüber.

Solange man durch materielle Zwänge gebunden ist, ist die persönliche Freiheit nur schöne Theorie. Wenn man ständig arbeiten muss, um seine Miete zu zahlen, hat man keine Zeit, schöne Sachen zu unternehmen. Da nützt es einem nicht, dazu das Recht zu haben. Denn man hat nicht das Recht dazu. Zuviele Menschen in diesem Land können ihre Freiheit nicht leben, weil sie sich an andere verkaufen müssen, um sich ihre „Lizenz zum Leben“ leisten zu können, also die pure Existenz zu erhalten.

Es geht mir nicht darum, dass jeder mindestens einmal im Jahr in die Südsee fliegen soll, sondern ich will klarmachen, dass Freiheit nur ein theoretischer Begriff ist in unserer Gesellschaft und dass man sie sich hier ersteinmal leisten können muss. Wer genug Geld hat, hat alle Freiheiten. Wer kein Geld hat, womöglich noch Schulden hat, der muss seine Freiheiten an andere Verkaufen.

Ja, wir dürfen reisen, wohin wir wollen, aber wir dürfen es nur, wenn wir es uns leisten können. Wie wollen wir Freiheit definieren? Ich habe einen eigenen Begriff von Freiheit, der nicht ganz zu dem Artikel hier passt; ich meine die Freiheit, die in dieser Gesellschaft den Bürgern gegeben wird. Und über diese Freiheit nachzuenken ist in meinen Augen lohnenswert.

Kategorie: Allgemein
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