Der Verein Deutsche Sprache und die bösen Anglizismen

09.07.2014 cleaulem

Vor kurzem hat der Verein Deutsche Sprache (VDS) wieder einmal gefordert, die deutsche Sprache ins Grundgesetz aufzunehmen. Ich will hier nicht das Für und Wider dieser Forderung erläutern, das haben die Autoren des Sprachlogs bereits ausgiebig getan. Hier geht es mir um den Verein an sich und die Ziele, die er verfolgt.

Der Verein verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel „die deutsche Sprache als eigenständige Kultursprache zu erhalten und zu fördern“. Ganz besonders wendet sich der VDS gegen Anglizismen aller Art, die angeblich für den schlechenden Untergang des Deutschen verantwortlich sein sollen.

Angeblich lehnt der VDS Anglizismen nicht ab, wenn sie eine Lücke im Deutschen füllen. Ich habe da einen anderen Eindruck. Vorsitzender des Vereins ist der Ökonom Walter Krämer. Ich hatte schon das Vergnügen, einige Bücher von ihm zu lesen, vor allem das „Lexikon der populären Irrtümer“.  Ich habe das Buch als Jugendlicher mit großem Interesse gelesen. Doch heute würde ich das nicht mehr tun. Denn ein Großteil der beschriebenen „Irrtümer“ sind nichts anderes als Spitzfindigkeiten. Ich habe Walter Krämer auch in anderen Bereichen als sehr spitzfindig und besserwisserisch wahrgenommen.  Er ist die Sorte Mensch, die alles besser weiß und alle anderen solange nötigt, bis sie alles nach seiner Vorgabe machen.

Und hierzu passt auch sein Vorsitz im VDS. Dieser Verein führt einen fanatischen Feldzug gegen alle Sorten von Anglizismen, so dass das Augenmaß dabei verloren geht. Man soll nicht mehr „Laptop“ oder „Notebook“ sagen, sondern „Klapprechner“. Ich habe noch keinen Menschen unter 50 getroffen, der „Klapprechner“ sagen würde. Auch wenn ich finde, dass es manchmal übertrieben wird mit den Anglizismen und das viele davon wirklich unnötig sind, denke ich, dass der VDS mit seinen Vorgaben doch etwas zu weit geht.

Sprache ist etwas lebendiges. Wenn man anfängt, sie in ein regulatorisches Korsett zu pressen, verliert sie ihre Lebendigkeit und wird zu einem unflexiblen Monster. Sprache passt sich immer den Anforderungen der Zeit an. Die Digitalisierung des Alltags hat zu einer Vielzahl an Anglizismen geführt, die mehr oder weniger nötig sind. Es gibt für viele Gegenstände auch deutsche Begriffe (z.B. „Festplatte“).

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Schwemme an französischen Begriffen im Deutschen beklagt und der Untergang der deutschen Sprache wurde prognostiziert. Die deutsche Sprache ist heute lebendig wie nie. Der VDS prophezeit dasselbe im Zusammenhang mit den Anglizismen. Doch ich glaube, dass das Deutsche dies auch überleben wird.

Schon immer wurde der Verfall der Sprache beklagt. Die Sprache (Zeit, Sprache und Kulturkreis spielen hier keine Rolle) würde in kürzester Zeit degenerieren und untergehen. In seinem Buch „Du Jane, ich Goethe“ beschreibt der Linguist Guy Deutscher, wie dieser vermeintliche Verfall gar zu neuen grammatischen Formen führen kann.

Sprache ist immer im Wandel begriffen. Auch wenn einige rechthaberiche Betonköpfe dies nicht wahrhaben wollen, ist dies einer der Grundmerkmale jeder Sprache. Man sollte den Sprachwandel nicht zu bekämpfen versuchen, sondern ihn beobachten und ihn höchstens behutsam in eine bestimmte Richtung zu lenken versuchen.

Die Übernahme von Lehnwörtern ist für jede Sprache wichtig. So zeigt die Sprache Flexibilität und die Sprecher können mit der gesellschaftlichen Entwicklung mithalten und an ihr teilhaben, indem sie über sie sprechen können. Die Übernahme von Anglizismen zeigt gerade die Vitalität der deutschen Sprache und zeigt, dass sie ganz und gar nicht gefahr läuft, auszusterben. Ich prophezeie, dass in 100 Jahren das Deutsche NICHT ausgestorben sein wird.

Kategorie: Allgemein
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