Warnhinweise auf Büchern!?!?

13.07.2014 cleaulem

Ich habe gerade auf Spiegel Online gelesen, dass Studenten der University of California in Santa Barbara ernsthaft fordern, dass auf Buchvover sogenannte Trigger Warnings gedruckt werden sollen, also Warnhinweise, wenn ein Buch die Beschreibung verstörender Handlungen wie Körperverletzung und Vergewaltigung enthält. Mal ganz ehrlich: Haben die sie noch alle?

Die Begründung ist das Allerbeste:

Die Hochschüler vermuten, dass Beschreibungen von Vergewaltigungen, Körperverletzungen oder anderer verstörender Ereignisse bei Studenten, die Ähnliches in ihrer Vergangenheit erlebt haben, psychische Schäden auslösen können.

Das klingt im ersten Moment schön und gut. Man hat ersteinmal den Eindruck, dass sich um diejenigen, die diese schlimmen Dinge in der Vergangenheit erlebt haben, gesorgt wird. Aber ist dies eine angemessene Maßnahme, um diesen Leuten zu helfen?

Nein, denn durch solche Maßnahmen wird die Verdrängung solcher Erlebnisse gefördert. Wenn man etwas traumatisches erlebt hat, muss man diese Erlebnisse aufarbeiten. Durch Verdrängung wird es nur schlimmer. Irgendwann kommt das Erlebte wieder ans Tageslicht mit unabsehbaren Konsequenzen. Der Trigger, der dies bewirkt, muss nicht mal unbedingt eine solche Beschreibung in einem Buch sein. Es kann etwas vollkommen triviales sein, das nur am Rande mit dem Erlebnis zu tun hat.

Nur indem man sich seinen Ängsten stellt, und zwar in Begleitung eines Experten, der einem dabei hilft, kann man das Erlebte verarbeiten, so dass man wieder ein einigermaßen normales Leben führen kann. Natürlich wird das Erlebte immer präsent sein und man wird es nie los werden. Aber man kann lernen, damit zu leben. Und das ist das wichtige: Man muss „damit“ leben. Durch Verdrängung schwelt das Trauma nur im Untergrund, um dann wieder umso schmerzhafter an die Oberfläche zu brechen.

Es sind nicht die Beschreibungen solcher Dinge, die die psychischen Schäden auslösen. Wenn jemand derart empfindlich auf so etwas reagiert, dann ist der psychische Schaden schon längst vorhanden. Er wurde nur in diesem Moment so getriggert, dass er ans Tageslicht getreten ist. Und wenn es schon soweit kommt, ist es eigentlich schon zu spät.

Außerdem wird hier das Problem auf die Traumatisierten verschoben. Man will nicht, dass ihre Traumata ans Licht kommen, so dass andere nicht damit behelligt werden. Wenn sie ein Buch mit „verstörendem“ Inhalt lesen und sie auch noch davor geschützt werden sollen, wird ihnen indirekt damit gesagt: „Pass auf, dass du dieses Buch nicht liest, damit du nicht merkst, was für ein Versager du bist. Denn du würdest es nicht verkraften, weil du dafür so schwach bist. Du bist viel zu jämmerlich, um so etwas zu verarbeiten.“

Das sind nämlich die Denkmuster, die Menschen mit Traumata und Depressionen haben. Sie suchen die Schuld bei sich selbst. Und indem gesagt wird, dass das nichts für sie ist, weil es sie belasten könnte, wird ihnen damit nur deutlich gemacht, dass sie unzureichend sind und dass ihre Minderwertigkeitsgefühle zutreffend sind.

Solche Warnhinweise würden den Betroffenen nicht helfen, sie würden das Problem sogar noch verstärken.

Kategorie: Allgemein
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