Karl Albrecht

21.07.2014 cleaulem
Ameisenhaufen

Die Konzentration von Kapital ähnelt einem Ameisenhaufen. Die Umgebung wird leergeräumt und alles thront auf einem riesigen Berg

Karl Albrecht, der ältere der Aldi-Brüder, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Spiegel Online hat bereits einen Nachruf auf ihn veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt:

Gesichert ist auch, dass die Albrechts ihren Reichtum niemals auskosteten oder zur Schau stellten. Ein Hotel mit angrenzendem Golfplatz in Donaueschingen war wohl das Extravaganteste, das Karl sich leistete – wobei natürlich auch diese Investition aus den Siebzigerjahren Rendite abwerfen sollte, allerdings mit dem schönen Nebeneffekt, der Leidenschaft für das Golfspiel frönen zu können.

Ich weiß, man soll über Tote nichts schlechtes sagen, aber das habe ich auch nicht vor. Ich finde es nur an der Stelle interessant, dass der Bau eines Hotels, das natürlich auch reichlich Rendite abwirft, als Kleinigkeit abgetan wird. Etwa nach der Art: Da wäre auch mehr gegangen. Aber man muss den Albrecht-Brüdern tatsächlich zugute halten, dass sie mit ihrem Reichtum nicht geprotzt haben. Ich weiß jetzt aber auch nichts davon, dass sie damit unheimlich viel Gutes getan hätten, was nicht nur steuerlich nützlich war. Aber ich weiß es nicht, also nehmen wir einfach das Beste an.

Hier geht es nicht um Reichenbashing, auch will ich hier keine Neiddebatte lostreten. Mir geht es um die Sicht auf die Dinge. Wenn z.B. im Forum unter dem Nachruf Kommentare stehen wie:

Sie haben zusammen mit Ihrem Bruder dafür gesorgt das auch die ärmeren Menschen in Würde leben konnten, indem sie ihnen die Möglichkeit gaben qualitativ hochwertige Lebensmittel und Waren zu erschwinglichen Preisen zu erstehen. Wenn man einmal darüber nachdenkt, was das für das Sozialgefüge und auch die Gesundheit der Menschen in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Welt bis heute bedeutet, ist Ihre Lebensleistung kaum in Worte zu fassen. Danke !

Oder:

„Der liebe Gott und Aldi, die helfen dem kleinen Mann“. Diese Meinung habe ich oft von meinen Großeltern gehört und sie selber auch am eigenen Leib erfahren.

Ähem! Ich kann das leider nicht ganz so unterschreiben. Natürlich stimmt es, dass durch Aldi viele hochwertige Lebensmittel auch für finanziell Schwächergestellte eher erschwinglich wurden. Dies aber als große soziale Tat zu bezeichnen, ist doch ein wenig überzogen. Die Albrechts haben dies schließlich nicht aus Gemeinsinn getan, sondern aus Geschäftssinn. Und für sie hat sich die Sache wohl am allermeisten gelohnt.

Zuletzt betrug Karl Albrechts Vermögen schätzungsweise 17,8 Milliarden Euro. Dieses Geld ist totes Kapital. Das heißt, es nutzt niemandem. Albrecht hat es nicht ausgegeben, sondern gehortet. Und selbst wenn er es für Luxusgüter ausgegeben hätte, wäre das Geld nur bei anderen Reichen gelandet. Dieses Geld ist für den Geldkreislauf verloren.

Das Problem ist hierbei die Konzentration von Vermögen in Deutschland. Einige wenige Reiche besitzen des Großteil des Geldvermögens. Dieses Geld ist tot. Selbst wenn jemand solches Geld irgendwo investiert, dann nur, um es letztendlich zu vermehren. Es wechselt also nicht wirklich des Besitzer.

Wenn man also die Wirkung des albrechtschen Wirtschaftens auf die soziale Lage in Deutschland beurteilen will, muss man den Nutzen, den der kleine Mann davon hatte, mit den Gewinnen, die die Gebrüder Albrecht dabei eingefahren haben, aufwiegen. Und dann ist es doch zweifelhaft, ob das wirklich solche „Wohltäter“ waren. Denn letztendlich haben sie am „kleinen Mann“ ordentlich verdient.

Ich will damit nichts Schlechtes üner Karl Albrecht sagen. Ich kannte den Mann nicht. Ich will hier nur auf ein generelles Problem in Deutschland aufmerksam machen, für das Herr Albrecht nicht die Ursache, sondern höchstens das Symptom war.

Kategorie: Allgemein
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