Fußball-WM 2018 nun doch nicht in Russland?

23.07.2014 cleaulem

Zumindest nicht, wenn es nach deutschen Politikern geht. Von denen sprachen sich nämlich einige dafür aus, Russland für sein Vorgehen in der Ukraine-Krise mit dem Entzug der Fußball-WM 2018 zu bestrafen. Klingt doch super. Da kann man die bösen Russen doch richtig schön bestrafen, oder?

Wenn man sich die Begründungen für diese Forderungen anschaut, wird einiges etwas klarer:

Eine Neuvergabe der WM als Strafmaßnahme könne wesentlich wirkungsvoller sein als die Verhängung harter Wirtschaftssanktionen, sagte der Vizevorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Fuchs. Die russischen Grenzen seien viel zu durchlässig, um das Land etwa von Importen abzuschneiden, so Fuchs zu „Handelsblatt online“. Die Umsetzung möglicher Handelsbeschränkungen ließe sich daher kaum effektiv kontrollieren.

Aha, die Grenzen sind also „viel zu durchlässig“. Im Klartext heißt das: Die deutschen Großunternehmen kriechen dem Despoten Putin in den Arsch, weil sie so prima Geschäfte machen können. Und wenn wir da Handelssanktionen verhängen, können die Großkonzerne ja keine Geschäfte mehr mit Russland machen. Doof!

Die Fifa soll sich also Gedanken darüber machen, ob Russland für die Fußball-WM der geeignete Gastgeber sei. Eigentlich dürfte das ja kein Problem sein. Mit denen kann man ja auch ganz prima Geschäfte machen. Und die Olympia-Propagandashow in Sotschi fanden ja auch alle ganz toll.

Ich finde es ja auch interessant, dass die JETZT darauf kommen. Vorher war es anscheinend kein Problem, dass Russland de facto eine Oligarchie ist, in der das Recht des Stärkeren/Reicheren gilt. In der die Korruption blüht. In der Oppositionelle verfolgt werden. In der Homosexuelle Repressalien befürchten müssen. Das alles war vor dem Ukraine-Konflikt ja nicht so schwerwiegend, dass man auch nur ansatzweise die Olympischen Winterspiele in Sotschi infrage gestellt hätte. Die mit Abstand teuersten Winterspiele, weil der allergrößte Teil des Geld in korrupte Kanäle geflossen ist.

Und JETZT stellen sich die Politiker hin und stellen die Fußball-WM in Russland in Frage. Ja klar, da ging es auch nicht um Wirtschaftssanktionen, die ja die Rendite deutscher Unternehmen schmälern könnten. Man will die eigene Wirtschaft schonen und gleichzeitig einen auf Moralapostel machen. Dort eine internationale Sportveranstaltung abzuhalten ist böse, aber Geschäfte kann man mit denen machen.

So etwas nennt sich Doppelmoral.

Kategorie: Allgemein
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