Der Hitler-Workshop

10.08.2014 cleaulem
Hitler hat mit seinen Reden Millionen in den Bann gezogen und vielen Menschen Tod und Elend gebracht.

Hitler hat mit seinen Reden Millionen in den Bann gezogen und vielen Menschen Tod und Elend gebracht.

Die Ukip ist ja eh schon eine Partei, deren Mitglieder durch verbale Entgleisungen aufgefallen ist. Da steht sie auch auf einer Stufe mit der AfD in Deutschland. Sie hat ja auch ähnliche Ziele. Nun ist der Ukip-Parlamentarier Bill Etheridge dadurch aufgefallen, dass er auf einer Veranstaltung für den Parteinachwuchs Adolf Hitler als Vorbild für die Art, Reden zu halten, empfahl.

Natürlich war da die Empörung groß. Und natürlich meinte er damit ja nur, den Stil der Reden zu imitieren, und nicht den Inhalt. Ist denn die Kritik an dieser Empfehlung berechtigt? Meine Antwort ist: ein dickes JA:

Wenn man sich den Stil von Hitlers Reden ansieht, dann wird klar, was er damals damit erreichen wollte und auch erreicht hat. Er wollte die Zuhörer in seinen Bann ziehen. Er wollte ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, damit sie seine Ideen, seine Vorstellungen vereinnahmen. Er wollte sie dazu bringen, das zu tun, was er von ihnen verlangte. Es geht hier um psychische Manipulation. Und so etwas ist schon an sich verwerflich. Hitler war ein Demagoge, der die Menschen dazu brachte, seine teuflische Ideologie zu verinnerlichen und vielen Menschen Tod und Leid zu bringen, und das auch noch richtig zu finden.

Es ist egal, ob man selbst vermeintlich hehre Ziele verfolgt, ob man zu den „Guten“ gehört. Mit solchen Methoden, die Menschen derart manipulieren, kann man nie etwas gutes erreichen. Irgendwann wird jeder, der sich solcher Methoden bedient, von der Macht korrumpiert, wie gut die Absicht ursprünglich auch gewesen sein mag.

Dass die Ukip dabei in meinen Augen nicht gerade hehre Ziele verfolgt, macht die ganze Sache für mich nur noch delikater. Natürlich sind sie selbst der Meinung, dass sie nur Gutes wollen. Aber Hitler und die Nationalsozialisten sahen sich ja auch als die „Guten“. So gesehen sagt das Selbstbild relativ wenig aus.

Fjärde Riket

Diese ganze Geschichte erinnert mich stark an den Jugendroman „Fjärde Riket“ (Das Vierte Reich) von Maria Nygren. Das Buch kam letztes Jahr in Schweden raus und ist leider noch nicht auf Deutsch erschienen. Ich habe es im schwedischen Original gelesen. Das Buch handelt von der 15-jährigen Blenda, die auf eine neue Schule kommt. Sie wird schnell zur Außenseiterin, da die Schule von everybody’s darling Hedvig beherrscht wird. Sogar die Lehrer haben Angst vor Hedvig.

Blenda will diesen Zustand ändern. Als in der Schule das Dritte Reich durchgenommen wird, kommt Blenda auf die Idee, wie sie Hedvig stürzen kann. Sie will die Schülerschaft mit Hitlers Methoden auf ihre Seite ziehen und Hedvig so vom Thron stürzen. Mit Reden, Durchsagen, und Plakatkampagnen im Stil der Nationalsozialisten hat sie mit einigen Freundinnen schließlich Erfolg. Doch was ursprüglich mit gutem Willen durchgeführt wurde, um den Außenseitern in der Schule eine Stimme zu geben und um Diskriminierungen zu beenden, gerät immer mehr außer Kontrolle. Blenda und ihre Freundinnen werden von der Macht korrumpiert und führen ein regelrechtes Terrorregime an ihrer Schule.

Auch wenn das Buch vom Konzept und der Logik her einige Schwächen hat, ist die Kernbotschaft doch gut rübergebracht. Hitlers Methoden und auch seine Art, Reden zu halten, sind totalitär. Sein ganzes Handeln war auf das gerichtet, was er in „Mein Kampf“ als Ziel beschrieben hat, und das waren Mord, Krieg, Eroberung und Ausrottung. Selbst wenn man diese Methoden für eine gute Sache einsetzen will, werden sie stets ins Gegenteil umschlagen, weil sie auf Manipulation und Einschüchterung basieren. Dies gilt für Blenda in „Fjärde Riket“ und auch für die Ukip.

Kategorie: Allgemein
Stichwörter:

« - »

Keine Kommentare»»

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag- Trackback

Schreibe einen Kommentar!

Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> .

%d Bloggern gefällt das: