Michael Brown und Ferguson

20.08.2014 cleaulem

Am 9. August wurde der 18-jährige afroamerikanische Schüler Michael Brown unter nicht geklärten Umständen von einem Polizisten erschossen. Darauf sind in Ferguson, wo diese Tat stattfand, Unruhen ausgebrochen. Es wird gegen Rassismus und Polizeigewalt protestiert. Dabei wendet die Polizei drakonische Maßnahmen an, um diese Demonstrationen zu unterbinden.

Sind diese Demos übertrieben? Sollen sich die Leute einfach nicht so anstellen? Oder sind sie doch nachvollziehbar?

Ich kann dies nicht wirklich einschätzen. Ich lebe nicht in den Vereinigten Staaten, schon gar nicht als Afroamerikaner. Aber nach dem, was ich schon darüber gehört und gelesen habe, ist das Leben als Farbiger in den USA kein Zuckerschlecken.

Ich habe von dem immerwährenden latenten Rassismus in allen Lebensbereichen gehört. Über Polizeiwillkür, dass farbige Autofahrer sehr viel öfter zur Kontrolle angehalten werden. Von Polizeigewalt gegen Farbige. Ich habe darüber gelesen, wie Mütter täglich Angst um ihre Söhne haben müssen, dass sie schon glücklich sind, wenn diese überhaupt die Kindheit überleben.

Es muss einen Grund haben, warum sich jetzt eine solche Wut über diese Ungerechtigkeit entlädt. Viele Leute wundern sich sogar noch darüber, dass die Demonstrationen eine solche Wucht entwickeln. Es gab schon in der Vergangenheit solche Unruhen, so wie 1967 in Detroit oder 1992 in Los Angeles.

Doch es hat sich nie etwas an den Verhältnissen geändert. Es wurde höchstens ein wenig darüber debattiert, bis sich die Lage wieder einigermaßen beruhigt hatte und dann ging es weiter wie eh und je. Es ist wie mit der Debatte über das Waffenrecht in den USA. Es passiert ein schlimmer Amoklauf, es werden ein Paar Krokodilstränen vergossen, aber unterm Strich geht es immer so weiter.

Dass die Rassenploblematik in den USA immer wieder so hochkocht, ist ein deutliches Zeichen, dass etwas ganz gewaltig schiefläuft. Immer wieder kommen, wenn eine weitere der vielen Geschichten über den alltäglichen Rassismus erzählt wird, Kommentare im Stile von „Wer sagt denn, dass das kein Einzelfall ist?“ oder „Wenn er/sie weiß gewesen wäre, wäre ihm das auch passiert!“. Das ist Erbsenzählerei. Auch wenn das im Einzelfall vielleicht sogar diskutabel ist, muss man doch schon alleine anhand der Menge solcher „Einzelfälle“ fragen, ob das dann alles überhaupt Einzelfälle sein können, oder ob das ganze nicht doch systematisch ist.

Solche Fälle, die man immer wieder hört, als Einzelfälle abzutun, zeugt schon von einer immensen Arroganz und Ignoranz. Man will am System nichts ändern, weil es für einen selbst super läuft. Also wird alles dafür getan, dass es so bleibt. Und es ist das Gefühl von Überlegenheit und Macht.

Der Rassismus ist in der US-amerikanischen Gesellschaft tief verwurzelt. Deshalb hat der Ku-Klux-Klan einen solchen Zulauf. Die USA sind eine Nation von „Weißen“, eine Nation der WASPs (white anglo saxon puritans). Das ist auch im Selbstverständnis der Amerikaner sichtbar. So konnten sie es nie verwinden, dass mit Obama ein Schwarzer US-Präsident wurde. Das ging sogar so weit, dass sie ihm unterstellten, er sei gar kein US-Bürger. Allein das ist schon erschreckend, aber auch, dass diese Vorwürfe sogar einen solchen Zulauf erhielten.

In den USA dürfen Firmen bei Bewerbungen kein Bewerbungsfoto verlangen, damit potentielle Kandidaten nicht schon anhand ihrer Hautfarbe aussortiert werden. Das solche Maßnahmen, die im Übrigen nicht wirklich was bringen, überhaupt nötig sind, ist schon sehr traurig.

Im Großen und Ganzen ist also für mich nachvollziehbar, dass unter den Afroamerikanern sich eine solche Wut aufgestaut hat. Doch ich fürchte, dass sich wieder einmal nichts an den bestehenden Verhältnissen ändern wird.

Kategorie: Allgemein
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