Wieviel Wachstum geht noch?

08.09.2014 cleaulem

Kürzlich veröffentlichte der Guardian einen Artikel, der darlegt, dass die Voraussagen, die in dem Buch „Die Grenzen des Wachstums“ im Jahr 1972 getroffen wurden, weitestgehend eingetroffen sind. Wenn dies wirklich stimmt, bedeutet dies, dass die Menschheit bereits ihren materiellen Zenit überschritten hat und der Kollaps schon bald bevorsteht.

Ich will hier nicht allzu sehr ins Detail gehen. Ich will hier nur ein Paar Gedanken ausbreiten, die ich mir schon lange zu diesem Thema gemacht habe. Zuerst einmal leben wir hier auf einer recht großen Gesteinskugel mit einer endlichen Fläche. Dadurch sind die Ressourcen auf dieser Kugel begrenzt. Dazu kommt, dass wir selbst mit der modernsten Technik nicht in der Lage sind, diese Kugel zu verlassen. Bisher ist es lediglich gelungen, einige wenige Menschen gleichzeitig auf den Mond zu bringen. Man kann also sagen, dass wir auf der Erde gefangen sind. Wir kommen hier nicht weg.

Wären wir in der Lage, im großen Stil den Weltraum zu kolonisieren, sähe die Sache gleich ganz anders aus. Im Universum gibt es genug Materie, um eine Billiarde Menschen zu versorgen und zu ernähren. Aber wir haben nur die Erde als Rohstofflieferant zur Verfügung, und deren Rohstoffe sind nunmal sehr begrenzt.

Doch die globalisierte Marktwirtschaft basiert ausgerechnet auf stetigem Wachstum. Und das kann einfach in Anbetracht der begrenzten Ressourcen nicht lange gutgehen. Das ist auch das Credo der deutschen Politik: Wachstum, Wachstum, Wachstum.

Beispiel deutsche Wirtschaft

Doch die deutsche Wirtschaft hat meiner Meinung nach die Grenze ihres Wachstums schon lange erreicht. Die Wirtschaft stagniert, Wachstum ist nur noch unter höchsten Anstrengungen erreichbar. Wie kommt das? Ich bin der Ansicht, dass die deutsche Wirtschaft inzwischen nicht mehr viel Spielraum für Wachstum hat. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg sah dies anders aus. Die Wirtschaft lag am Boden und die Produktivität in der Industrie war noch sehr steigerungsfähig.

Der technische Fortschritt hat die Produktivität auf ein unglaublich hohes Niveau steigen lassen. In den Jahrzehnten nach dem Krieg wuchs die deutsche Wirtschaft in einem unglaublichen Tempo. Das bedeutete auch, dass Wachstum als das Wesentliche in der Wirtschaft gesehen wird. Und dieses Denken hält bis heute an. Vor allem die bürgerlichen Parteien (CDU und vor allem die FDP) predigen immer wieder die Notwendigkeit von Wachstum. Aber auch die SPD fährt auf dieser Schiene.

Dies ist aber ein Irrweg. Wie gesagt, wir leben in einer Welt mit begrenzten Ressourcen, die bereits aufs Äußerste ausgereizt werden. Der Spielraum nach oben ist eng. Meiner Meinung nach ist weiterer Wachstum kaum noch möglich. Eigentlich sollte man sogar darüber glücklich sein, dass die Wirtschaft im Moment überhaupt noch ihr Niveau halten kann und nicht kollabiert. Aber man strebt nach immer mehr Wachstum. Stellt sich auch die Frage, wer von diesem auf Kosten der Nachhaltigkeit durchgedrückten Wachstum überhaupt profitiert. Die einfachen Arbeiter schon lange nicht mehr. Aber das ist hier nicht das Hauptthema.

Meiner Meinung nach sollte man, anstatt auf immer mehr Wachstum hinzuarbeiten, der unsere Lebensgrundlage auf Dauer zerstören wird, darauf hinarbeiten, das bereits erreichte zu erhalten. Nachhaltigkeit ist auch ein viel genutztes und viel missbrauchtes Wort. Aber im Grunde bedeutet es einfach, die eigene Lebensgrundlage nicht durch sein Wirtschaften zu zerstören.

Man kann einen Wald in kürzester Zeit vollständig abholzen, aber dann ist er weg und es dauert viele Jahre, bis ein neuer Wald entstanden ist, wenn überhaupt. Doch man erhält sofort maximalen Profit, der aber einmalig ist. Man kann aber auch nur soviele Bäume in diesem Wald abholzen, wie im selben Zeitraum wieder nachwachsen. Dadurch ist der unmittelbare Profit zwar sehr viel geringer, dafür ist er aber auch dauerhafter und man kann in Zukunft noch von dem Wald profitieren. Und ich meine damit nicht nur die Holzwirtschaft, sondern auch die Naherholung und der Lebensraum für Tiere. Das ist ein Beispiel für Nachhaltigkeit.

Auch wenn die Forstwirtschaft dies auf jahrhundertelange Erfahrung basierend größtenteils begriffen hat, trifft dies für andere Bereiche nicht zu, wo ein Umdenken unbedingt erforderlich wäre.

Es wird gesagt, dass ein bestimmtes Wachstum erforderlich sei, damit keine Arbeitsplätze verloren gehen. Ich begreife das nicht. Denn wenn die Wirtschaft garnicht mehr wachsen, aber auch nicht schrumpfen, würde, gingen logischerweise doch auch keine Arbeitsplätze verloren. Ich sehe darin einfach nur eine Rechtfertigung des Wachstumsgeunke.

Wieviel Wachstum verträgt die Erde?

Die Industrienationen wie Deutschland haben nicht mehr viel Spielraum zum Wachsen, doch in Schwellenländern wie China und Indien sieht dies anders aus. In diesen Ländern wächst die Wirtschaft in einem unglaublichen Tempo. Die Bevölkerung dieser Länder strebt nach Wohlstand nach westlichen Maßstäben. Doch ob dies in Hinsicht der begrenzten Ressourcen auf der Welt wirklich realisierbar ist, ist mehr als fraglich. Zumindest wäre dies nicht machbar, ohne die Ressourcen auf der Erde vollständig auszubeuten. In China und Indien allein leben mehr als 2,5 Milliarden Menschen. Und der Ressourcenhunger einer solchen Masse an Menschen, die auch noch nach westlichem Wohlstand trachten, würde die Welt in eine wahre Ressourcenkrise stürzen.

Schon jetzt wird im Prinzip ein beispielloser Raubbau an der Natur betrieben. Nicht nachwachsende Rohstoffe sind heute der Motor der Wirtschaft. Dazu zählt zum Beispiel das Erdöl. Das Fördermaximum ist bereits erreicht. Und selbst wenn man neue Quellen ausmacht, wenn sie einmal ausgebeutet sind, werden sie für immer verschwunden bleiben. Man beginnt bereits, in Kanada Ölsand abzubauen. Dabei werden riesige Waldflächen  unwiederbringlich zerstört, nur um den Hunger der Menschheit nach Wachstum zu befriedigen. Stattdessen sollte man mit den bereits verfügbaren Ressourcen vernünftiger und sparsamer umgehen.

Kategorie: Allgemein
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