Minecraft und Mojang

11.09.2014 cleaulem
Minecraft ist für seine Erfinder eine echt Schatzkammer.

Minecraft ist für seine Erfinder eine echte Schatzkammer.

Gestern kam die für Computerspielfreaks heiße Nachricht raus, dass Microsoft angeblich das stockholmer Entwicklerstudio Mojang für 2 Milliarden Dollar kaufen will. Dies hat doch schon einigen Wirbel verursacht, und das aus mehreren guten Gründen.

Zuerst einmal ist Mojang der Entwickler des „Indie-Hits“ Minecraft. Minecraft ist ein unglaublicher Erfolg, über 54 Millionen Lizenzen wurden mittlerweile verlauft. Mojang entwickelt natürlich auch andere Spiele, aber die sind eher Rohrkrepierer, die nicht wirklich viel Erfolg haben. Minecraft ist Mojang und Mojang ist Minecraft. Und die Marke Minecraft wird es wohl auch sein, worauf es Microsoft abgesehen hat.

Was zur Hölle ist eigentlich Minecraft?

Notch hat Minecraft ursprünglich als Privatprojekt entwickelt. Er war ein kleiner Spieleentwickler, der hier und da ein nettes Spiel programmiert hat. Minecraft war damals ein absoluter Überraschungshit. Das einfache Spieleprinzip, das dem Spieler alle Freiheiten lässt, hat einen Nerv getroffen.

Das Prinzip von Minecraft ist unfassbar einfach: Man bewegt sich mit seiner Spielfigur durch eine dreidimensionale Spielwelt, die aus einer riesigen Menge Würfeln aufgebaut ist. Diese Würfel kann man abbauen und neu setzen. Man kann auch Rohstoffe gewinnen (mine) und diese weiterverarbeiten und andere Würfel, aber auch Werkzeuge und Gegenstände daraus bauen (craft). Dabei werden dem Spieler keine Vorgaben gegeben. Jedem ist selbst überlassen, was er in Minecraft tun möchte. Man kann schöne Häuser bauen, aber auch einfach nur Monster bekämpfen, Höhlen erkunden oder einfach nur durch die Welt laufen und die Landschaft genießen.

Geteilte Meinungen

Minecraft ist auf jeden Fall ein Riesenhit, und er hat Notch, seinen Erfinder, zum Multimillionären gemacht. Minecraft hat Mojang schon mehrere hundert Millionen Euro an Einnahmen beschert. Es gibt einen Riesenhype um dieses Spiel. Und auch wenn schon lange gesagt wird, dass dieser Hype langsam abebbe, ist die Popularität dieses Spieles ungebrochen.

Auch ich bin der Anziehungskraft dieses Spieles erlegen. Ich habe in meiner persönlichen Welt schon viele Stunden mit Abbauen, Aufbauen und Erkunden zugebracht. Ich habe dabei einige wirklich spektakuläre Bauten zustande gebracht. Und ich habe immer noch Spaß daran. Denn ich habe immer neue Ideen, die ich umsetzen will.

Es gibt aber auch viele sogenannte „Antifans“, also diejenigen, die Minecraft ablehnen, weil ihnen der Hype zuwider ist. Oder denen das Spielprinzip zu simpel ist. Auf jeden Fall müssen diese Leute immer irgendwie stänkern. Das sei ja total öde, immer das gleiche, und soviele Möglichkeiten gäbe es ja garnicht. Und der Hype gehe ihnen ja so sehr auf die Nerven. Okay, dann kann man doch einfach wegschauen, oder? In meinen Augen dient dieses Stänkern nur dazu, sich selbst zu profilieren. Jeder spielt Minecraft? Dann hebe ich mich von der Masse ab, indem ich es nicht spiele. In einem Internetforum hat mal jemand eine Frage zu Minecraft gestellt. Darauf kam eine Antwort, dass derjenige nichts dazu sagen könne, da er das Spiel doof finde. Aha, und warum musste er das jetzt da schreiben? Wohl, um sich wichtig zu machen.

Von der Grafik wird immer wieder gesagt, dass sie ziemlich einfach sei. Das kann ich so nicht unterschreiben. Die Texturen sind zwar ziemlich grob, aber es gibt die Möglichkeit, HD-Texturen in das Spiel zu integrieren. Und es gibt auch andere Möglichkeiten,  das Spiel aufzuhübschen. Außerdem ist Minecraft durch die Java-Grundlage sehr ressourcenhungrig. Man braucht schon einen sehr guten PC, um dieses Spiel flüssig in hoher Auflösung spielen zu können. Außerdem ist die Grafik nicht das Wesentliche an diesem Spiel.

Auch auf Youtube ist ein richtiger Hype um Minecraft entstanden. Wenn man dort nach Minecraft sucht, bekommt man bereits über 74 Millionen Ergebnisse angezeigt. In Deutschland ist vor allem das Let’s Play von Gronkh bekannt. Dieses Let’s Play hat Gronkh erst richtig bekannt gemacht, er ist der mit Abstand bekannteste Let’s Player in Deutschland. Let’s Plays sind Videos, in denen Computerspiele gespielt und live kommentiert werden.

Zwischen Gronkh und Minecraft entstand dabei ein regelrechter Synergieeffekt. Beide haben sich gegenseitig gepusht. Gronkh wurde durch Minecraft richtig bekannt, und Minecraft wurde durch Gronkh (in Deutschland) erst richtig populär. Das Minecraft Let’s Play von Gronkh hat inzwischen über 1200 Folgen, auch wenn es seit Anfang dieses Jahres pausiert ist. Aber es war wirklich ein Highlight. Ich muss zugeben, dass ich sämtliche Folgen davon gesehen habe, was schon beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass das ganze Let’s Play ungefähr zwei Wochen am Stück lang ist.

Indie und Kommerz

Der Erfolg von Minecraft war nicht fest eingeplant. Mojang war der typische kleine Indie-Entwickler. Doch Minecraft ist inzwischen eine Gelddruckmaschine. Das führte dazu, dass Minecraft auch anderweitig vermarktet wird. Es gibt Merchandise-Artikel zu Minecraft und sogar eine eigene Produktlinie bei Lego.

Aber Notch und Mojang setzten auch Signale gegen eine übermäßige Kommerzialisierung. So plante Notch ursprünglich eine Portierung von Minecraft für die Datenbrille Oculus Rift, die per Crowdfunding finanziert wurde. Als dann die Meldung herauskam, dass Facebook Oculus Rift für 2 Millarden Dollar kaufen würde (ein Schelm, der Böses bei diesem Betrag denkt), verwarf Notch diese Pläne.

Die PC-Version von Minecraft ist in Java geschrieben, so dass das Spiel auch ohne Probleme auf Linux und Mac OS läuft. Das ist ein gutes Beispiel für die Offenheit von Minecraft. Inzwischen kamen aber auch Versionen für die XBox und die Playstation heraus, also auf geschlossenen Systemen. Minecraft ist also schon längst im Microkosmos von Microsoft vertreten.

Und nun die Nachricht eines möglichen Kaufes von Mojang und damit der Marke Minecraft durch Microsoft. Man muss einfach sagen, dass Mojang schon lange kein wirklicher Indie-Entwickler mehr ist. Sie haben einen Riesenhit gelandet und ihn kommerziell ausgeschlachtet. Minecraft ist inzwischen im „Mainstream“ gelandet. Und Mojang macht damit einen Haufen Geld. Trotzdem wäre ein Verkauf an Microsoft ein fatales Signal. Mojang lebte lange von dieser Indie-Aura. Sie haben sich immer bescheiden gegeben. Auch wenn sie erfolgreich waren, in ihren Herzen waren sie immer noch die kleinen Entwickler, die an ihren kreativen Projekten arbeiteten.

Die Frage wäre, was aus Minecraft nach einer Übernahme von Microsoft würde. Gäbe es weiterhin die Updates wie bisher? Würden zukünftige Updates für Besitzer einer Lizenz kostenpflichtig (eine Option, die sich Mojang schon lange vorbehält)? Oder gäbe es Minecraft in Zukunft nur noch exklusiv für bestimmte Plattformen.

Die Updates sind inzwischen nur noch Spielerei. Das Spiel an sich ist fertiggestellt. Es werden nur noch neue Funktionen und Features hinzugefügt, die zwar ganz nett sind, aber das Spieleerlebnis nicht mehr wesentlich verändern. Vielleicht ließe es sich verschmerzen, wenn es nicht mehr so sehr neue Funktionen gäbe. Aber wenn neue Funktionen nur noch gegen Geld zu kaufen gäbe, hätte das schon einen faden Beigeschmack, hat man doch bereits Geld für eine Lizenz ausgegeben.

Ich hoffe das Beste für Mojang und Minecraft. Und ich hoffe, dass Notch nicht seine Seele für Geld verkaufen wird. Und ich denke, dass ein Verkauf an Microsoft ein fatales Signal wäre, dass den Ruf von Minecraft nachhaltig schädigen könnte.

Kategorie: Allgemein
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