Die Frankfurter Buchmesse

10.10.2014 cleaulem
Die Frankfurter Buchmesse. Dieses Jahr mal ohne mich.

Die Frankfurter Buchmesse. Dieses Jahr mal ohne mich.

Alle Jahre wieder findet sie statt, die Frankfurter Buchmesse. Und ich werde nicht hingehen. Soweit so gut. Aber ich habe dafür auch einige handfeste Gründe, die ich hier mal darlegen will. Denn einfaches Desinteresse ist es nicht. In früheren Jahren war ich ganz ganz wild auf diese Messe. Doch das hat sich inzwischen geändert.

Zuerst einmal: Ich studiere Buchwissenschaft in Mainz. Das heißt ich muss schon deshalb total wild auf die Buchmesse sein. Es muss DAS Ereignis des Jahres für mich sein, wie Ostern, Weihnachten und mein Geburtstag zusammen. Und meine Kommilitoninnen (der Bereich ist eine ziemliche Frauendomäne) sind auch schon dabei, auf Facebook fleißig zu posten, wie sehr sie sich auf die Buchmesse freuen. Und das geht mir doch schon ein wenig auf die Nerven. Nichts für ungut, aber das hat schon ein wenig von Wichtigtuerei. Mir geht das doch ziemlich am Popo vorbei, auch wenn ich Buchwissenschaftler bin. Das heißt ja nicht, dass ich alles toll finden muss, was irgendwie mit Büchern zu tun hat.

Aber warum will ich dieses Jahr nichts von der Buchmesse wissen? Zunächst einmal ist es einfach jedes Jahr dasselbe. Verlagsstand reiht sich an Verlagsstand und jeder buhlt um die Aufmerksamkeit der Kunden. Ich war noch nie an den Branchentagen dort, sondern nur an den Tagen mit Publikumsverkehr. Ich hätte auch theoretisch die Möglichkeit, Karten für die Branchenvertreter zu bekommen, aber die sind bei den Buchwissenschaftlern rar gesät. Jährlich werden nur ein Paar rausgegeben, um die sich die Studierenden dann prügeln können. Mir ist das einfach zu doof. Ich finde es auch ziemlich geizig, dass wir als angehenden Branchennachwuchs nicht kollektiv Freikarten bekommen. Doch später dazu mehr.

Das Gedrängel auf der Buchmesse, die Schlangen an den interessanten Ständen. Die überteuerten Fressstände. All das will ich mir einfach nicht antun. Ich mag große Menschenansammlungen nicht so gerne. Und nach einem Tag auf der Buchmesse bin ich einfach nur fix und fertig. Ich komme mir dann vor, als hätte ich einen Marathonlauf mitgemacht. Wenn man die Wege, die man auf dem Messegelände zurücklegt, bedenkt, ist dieser Vergleich gar nicht mal so unpassend…

Die Frankfurter Buchmesse wird ja als großes kulturelles Ereignis kommuniziert. Man nimmt sie quasi als Kulturveranstaltung wahr. Doch das ist Unsinn. Die Buchmesse ist eine rein kommerzielle Veranstaltung. Seit den 1950er Jahren soll der „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“ eine gesellschaftspolitische Ausrichtung der Buchmesse betonen, also nach dem Motto: „Ja, wir haben hier eine Handelsmesse, aber weil Bücher ja ein Kulturgut sind, haben wir diesen Preis ins Leben gerufen.“ Ich habe mich mal näher mit dem Thema befasst und habe dabei folgenden Schluss gezogen: Der Friedenspreis ist nur ein Vorwand, um sich bei der Buchmesse selbst nicht näher mit Themen befassen zu müssen, die schlecht für den Handel und den Umsatz sein könnten. Der Börsenverein hält sich mit dem Friedenspreis also den Rücken frei und kann sich trotzdem den Hut des Kulturbewahrers aufsetzen.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch, dass ich es nie direkt so wahrgenommen habe, als würde der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels mit der Frankfurter Buchmesse in Verbindung stehen. Auf der Messe selbst gibt es auch kaum Hinweise auf den Friedenspreis. Dort sieht man nur all die Stände der Verlage, die ihr neuestes hippes Programm anpreisen und unter die Leute bringen wollen.

Klar ist die Buchmesse in erster Linie eine Handelsmesse. Das will ich auch nicht in Abrede stellen. Aber der Börsenverein, der Ausrichter der Buchmesse, betont nur allzu gerne die kulturelle Bedeutung von Büchern und dadurch auch seiner eigenen Arbeit. Doch davon sieht man nicht viel auf der Messe. Man umgibt sich gerne mit dem Glanz von Kultur und damit von höherer Bedeutung, ohne aber allzu viel dafür zu tun, dass dieser Ruf auch berechtigt ist. Ich finde das ein wenig verlogen. Deshalb möchte ich mich dieses Jahr mal nicht damit umgeben.

Als angehender Buchwissenschaftler wird einem geraten, ganz viele Kontakte auf der Buchmesse zu sammeln. Das wäre ja wichtig, da man nur so einen Fuß in die Branche setzen könnte. Doch ist das auf der Buchmesse wirklich machbar? Ich stelle mir vor, wie ich als kleiner Studentendödel an so einen Stand marschiere und mich versuche bei den Verlagstypen einzuschleimen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Verlagsmensch, der sich an diesem Tag noch mit vielen vielen weitaus wichtigeren Menschen abgibt, sich auch nur zehn Minuten nach meiner Schleimattacke noch an mich erinnern kann. Es ist so wie es immer ist, man braucht vor allem Vitamin B. Entweder ist Papi in der Verlagsbranche bereits tätig und kann einem die Kontakte vermitteln, oder er ist reich und kann einen in die Branche einkaufen.

Als Neueinsteiger sind Praktika sehr viel besser geeignet um Kontakte zu knüpfen. So lernt man eher Leute kennen und man kann den Kontakt zu ihnen auch sehr viel besser festigen als wenn ich einem Menschen, der eh schon zuviel um die Ohren hat, an einem Verlagsstand auf der Messe als Frischling auf die Nerven gehe. Natürlich soll man Kontakte knüpfen, schon klar. Aber ich finde, es wird einfach übertrieben, wie die Buchwissenschaftler darauf angesetzt werden.

Kategorie: Allgemein
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