Der Friedensnobelpreis für Malala Yousafzai

12.10.2014 cleaulem

Malala Yousafzai wird zusammen mit Kailash Satyarthi der Friedensnobelpreis verliehen. Und alle Jahre wieder wird die Frage gestellt, ob dieser Preis nun berechtigt ist oder nicht. Auch dieses Jahr wieder. Und wenn ich lese, was manche Leute für „Einwände“ haben, könnte mir echt die Hutschnur platzen. Doch eins nach dem anderen.

Bei Kailash Satyarthi ist die Sache meiner Meinung nach eindeutig. Er hat sich mehrere Jahrzehnte lang gegen Kindersklaverei eingesetzt und seine Organisation hat geschätzt 80.000 Kinder aus der Sklaverei befreit.

Bei Malala Yousafzai wird indess die Berechtigung des Preises angezweifelt. Gut, das liegt auch wohl teilweise daran, dass ihr die größere Aufmerksamkeit in den Medien zuteil wird. Aber auch ihr junges Alter spielt da mit. Vor allem im Forum von Spiegel Online, das sowieso schon einen zweifelhaften Ruf als Tummelplatz von Gestalten mit sehr fragwürdiger Gesinnung genießt, wird mal wieder schön gegen das junge Mädchen gehetzt:

[Was zur Hölle] hat dieses Mädchen für den Frieden getan, der im Namen des Preises enthalten ist. Schön sie war mutig, aber was bringt das den Leuten in Pakistan? Was helfen ein Nobelpreis für und ein Buch von diesem Mädchen den Bewohnern, die von den Taliban unterdrückt werden. Fazit: Der Nobelpreis ist komplett unbegründet verliehen worden. Außerdem halte ich den Hype um Malala für deutlich übertrieben.

Was dieses Mädchen für den Frieden getan hat? Sie setzt sich für das Recht von Kindern auf Bildung ein. Und sie nutzt ihre Popularität nicht zu ihrem eigenen Wohl, sondern zur Erreichung ihrer hehren Absichten. Und was es den Leuten in Pakistan bringt? Sie ist ein Vorbild für die Menschen dort, sich die Unterdrückung durch die Taliban nicht gefallen zu lassen. Und sie richtet die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf diese Region, die sonst allzu gerne vergessen wird. Alles in allem hat sie weit mehr getan als dieser Kommentator, der lediglich zuhause in seiner Bude hockt und über andere Leute abstänkert, die mehr getan haben als er.

Es geht auch nicht unbedingt darum, irgendwelche handfesten Ergebnisse vorzuweisen. Ist ein Friedensnobelpreis erst dann verdient, wenn man alle Menschen satt gemacht hat, alle Kriege beendet und die gesamte Menschheit alphabetisiert hat? Das Engagement soll hier belohnt werden. Und das wird es hier. Sie hat sich unter wirklicher Gefahr für ihr Leben für das Recht auf Bildung eingesetzt und wäre deshalb fast umgebracht worden. Sie hat auf eine unglaubliche Art und Weise Courage bewiesen. Engagement und Courage, solche Wörter sind für diesen bequemen Sesselpupser von Kommentator tatsächlich nur Fremdwörter. Denn er kann nur über andere Leute herziehen, aber selbst kriegt er seinen Arsch nicht hoch. Er sollte lieber schweigen. Ich sollte noch erwähnen, dass er wohl ein Troll sein muss, denn in demselben Forumsthread haut er noch eine ganze Reihe ähnlich gearteter Kommentare heraus.

Ein anderer Kommentar bezieht sich auf das junge Alter der Preisträgerin:

Ich finde die Würdigung der Leistungen der beiden Preisträger zwar gut, aber im Falle von Malala Yousafzai den Friedensnobelpreis als deutlich verfrüht. Hier reicht m.M. die Lebensleistung bzw. die Tragweite der Aktionen, wie z.B. bei Mutter Theresa, nicht aus. Viele andere kämpfen auch für die Rechte von Frauen o.ä. und dies schon weitaus länger. Wenn sich daraus eine Trendwende im Denken der anderen erkennen lässt, kann man sagen, es hat was gebracht. Aber solange sich nichts ändert, ist es leider nur ein Tropfen auf den heissen Stein.[…]

Okay, soll sie ersteinmal dreißig Jahre lang ihr Ziel verfolgen? Oder reichen zwanzig Jahre, oder sogar NUR zehn? Welche Grenze wäre denn da angemessen. Und wenn sie vorher stirbt, entweder durch einen Unfall, durch Krankheit oder durch einen Anschlag der Taliban oder anderer Islamisten? Pech gehabt??? Viel Glück im nächsten Leben. Hier ist eine junge Frau, man kann sogar noch sagen ein junges Mädchen, die sich für die Rechte von Kindern einsetzt. Das müsste sie nicht. Aber sie hat soviel Idealismus und Mut im Leib, dass andere da einfach nur ruhig sein sollten. Schon für diesen Mut, der ihr fast das Leben gekostet hätte, gehört ihr der Nobelpreis zurecht verliehen. Selbst durch Gewalt hat sie sich nicht in ihrem Willen und ihrem Mut beirren lassen, sondern kämpft weiter.

Ich will dem Kommentator hier aber kein Unrecht tun, denn sein Kommentar ist nur ein wenig undifferenziert und kurzfristig. Denn er schreibt weiter:

Trotzdem wünsche ich Frau Yousafzai weiterhin viel Mut und Erfolg und hoffentlich überlebt sie es und hoffentlich schafft sie es, dass die Frauen dort mehr Rechte haben. Gut wäre es übrigens mal, wenn mal ein geistlicher Führer (egal ob Christ oder Moslem) sich hinstellen würde, und endlich für die Gleichberechtigung der Frauen in diesen Ländern plädieren würde. Aber hier geschieht ja leider gerade das Gegenteil.

Und nun zu einigen grundsätzlichen Fragen des Friedensnobelpreises. Ist denn Malalas Engagement für die Rechte von Kindern auf Bildung denn eine friedensschaffende Maßnahme? In meinen Augen absolut. Denn Unwissenheit fördert den Krieg. Wenn man Kindern Bildung zuteil werden lässt, lernen sie zu denken, lernen ihre Umwelt kennen und kommen nicht mehr auf die Idee, Kriege zu führen. Sie lassen sich auch nicht mehr einfach so von Kriegshetzern verführen, denn sie wissen es dann besser.

Wenn man sich einmal die bisherige Liste an Preisträgern anschaut, ist Malalas Preis mehr als verdient. Es gibt da nämlich andere, deren Friedensnobelpreis eher zweifelhaft ist.

2009 erhielt Barack Obama den Friedensnobelpreis. Wofür?

für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken

Das ist eine beliebige Standardfloskel. Er hat den Nobelpreis quasi als Vorschuss erhalten. Er hatte gerade ein Jahr zuvor die Präsidentschaftswahlen in den USA mit dem Slogan „Change“ gewonnen. Die Hoffnungen ruhten auf ihm. Doch ob er seine Versprechen wirklich eingehalten hat… na ja. Ob er ein Lügner war oder einfach keine andere Wahl hatte. Als Friedensapostel trat er auf jedenfall nicht auf.

Jassir Arafat 1994 zusammen mit Schimon Peres und Jitzchak Rabin. Arafat ist eine zurecht umstrittene Figur. Ein Friedensengel war er aber nie. Natürlich war er wesentlich am Osloer Abkommen beteiligt. Doch ob dies wirklich seine Intention war, ist zweifelhaft. In den Jahren danach hat er sich genauso wie in den Jahren davor nicht gerade als versöhnlich gegenüber Israel gezeigt. Er hat einmal Weitsicht gezeigt und dafür gleich den Friedensnobelpreis bekommen.

Henry Kissinger bekam 1973 den Friedensnobelpreis für die Aushandlung des Friedensabkommens mit Vietnam. What? Also: er führte als nationaler Sicherheitsberater Krieg gegen das vietnamesische Volk und ließ sogar Kambodscha bombardieren, obwohl die gar nichts mit diesem Krieg zu tun hatte. Dadurch wurden in Kambodscha die Roten Khmer bestärkt die Millionen Menschen grausam umbrachten. Und als die Amerikaner schmachvoll nach einem langen blutigen Krieg aus Vietnam vertrieben wurden und sie keine andere Wahl hatten als einen Frieden auszuhandeln, bekommt Kissinger noch einen Nobelpreis dafür, dass er einen Krieg beendet, den er quasi selbst angefangen hat und den er fröhlich hat eskalieren lassen? Wow, also DER Nobelpreis ist mehr als fragwürdig.

Man kann vom Friedensnobelpreis halten was man will. Man kann auch bei anderen Preisträgern genau hingucken und wird immer irgendwas zum Meckern finden (auch bei Mutter Theresa, die war auch nicht so ganz ohne). Aber das ist nicht Sinn der Sache hier. Ich will damit nur sagen, dass dieser Preis für Malala Yousafzai mehr als verdient ist.

Kategorie: Allgemein
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