Junge Juristen

21.10.2014 cleaulem
Recht haben heißt nicht Recht bekommen.

Recht haben heißt nicht Recht bekommen.

Etwas, was ich schon lange befürchtete, wurde nun bestätigt: Junge Juristen wollen härtere Strafen. Zunächst einmal wollten die befragten Jurastudenten für bestimmte Delikte härtere Strafen verhängen als welche, die in einer vergleichbaren Studie vor mehreren Jahren befragte wurde. Doch es geht sogar so weit, dass 2012 31,9 Prozent der Befragten für die Wiedereinführung der Todesstrafe ist.

Sagt mal, habt ihr sie eigentlich noch alle?

Es wäre ja schon ein starkes Stück, wenn man vom „Mann auf der Straße“ solche Zahlen zu hören bekommt. So etwas ist ja nicht weiter verwunderlich. Doch von angehenden Juristen, den zukünftigen „Halbgöttern in Schwarz“, sollte man doch mehr erwarten.

Natürlich kann jeder seine eigene Meinung haben. Doch viele sogenannte Meinungen resultieren ganz allein aus Unwissen. So zum Beispiel die Mär, dass die Todesstrafe oder überhaupt härtere Strafen ein effektives Mittel der Justiz darstellen. Ich kenne mich in dem Bereich ein wenig aus und weiß, dass Juristen, die wirklich so etwas wie Ahnung haben, es eigentlich besser wissen. Es gibt da auch ein Paar Ausfälle, na klar, aber im Großen und Ganzen lernt der Jurist, solche Fälle differenziert zu betrachten.

Wie kommt es denn nun zu so einem Totalversagen? Und ich nehme mir hier das Recht heraus, von Totalversagen zu sprechen. Denn die dort befragten sind zukünftige Staatsanwälte, Strafrichter und Strafverteidiger. Und in diesem Posten haben sie eine unglaublich hohe Verantwortung. Und solche Posten mit solchem Reaktionären Gesocks zu besetzen ist nun einmal ein Totalversagen. Aber wie kommt es denn nun dazu?

Der Artikel nennt mehrere mutmaßliche Gründe:

So sei es etwa denkbar, dass in Folge des seit 1945 währenden Friedens und hohen Entwicklungsstandes die Bereitschaft, sich mit Schicksalsschlägen (in Form von Verbrechen) abzufinden, gesunken sei.

Ein interessanter Erklärungsansatz. Und auch ziemlich plausibel. Das würde auch erklären, warum härtere Strafen gefordert werden, obwohl das subjektive Sicherheitsempfinden zugenommen hat. Wir haben einen sehr hohen Lebensstandard hier in Deutschland, und die Menschen wollen sich dies nicht wegnehmen lassen, erst recht nicht von einem Verbrecher. Also ab ins Kitschen mit denen und den Schlüssel wegschmeißen!!! Das ist ein weiteres Beispiel für die sogenannte „Besitzstandswahrung“, die in meinen Augen ein sehr typischer Charakterzug der Deutschen ist.

Auch an eine Verunsicherung in Folge der insgesamt rasanten gesellschaftlichen Entwicklung und an die inzwischen zunehmend stärkere Betonung der Opferperspektive sei zu denken.

Ja, man hört es in letzter Zeit immer wieder. Dass man den Tätern alle Hilfe anbiete, aber die Opfer lasse man stets allein. Ich finde, beiden Seiten muss geholfen werden, den Tätern, dass sie aus den inneren und äußeren Mechanismen herausfinden, aber auch den Opfern, die unter diesen Mechanismen zu leiden haben.

Aber einem Opfer ist durch plumpe Vergeltung nicht geholfen. Es macht die Tat nicht ungeschehen. Härtere Strafen bringen nichts.

Die rasante gesellschaftliche Entwicklung ist auch dabei, unsere hart erworbenen Grund- und Bürgerrechte den Gulli runterzuspülen. Für ein Gefühl der Sicherheit wird unsere Verfassung mit Füßen getreten. Hauptsache, die Menschen können ihren „Wohlstand“ genießen und schön konsumieren.

Es herrscht in diesem Land eine wahre Hysterie. Es wird die Panik vor Terrorismus und Verbrechen geschürt, um die Leute leichter kontrollieren zu können. Und dies sind nun die Früchte dieser Hysterie. Dazu passt der folgende Satz aus dem Artikel:

„Kriminalität verkauft sich gut – für quotengesteuerte Medien und für durch Wählerstimmen motivierte Politiker.“

Weitere Gründe

Ich habe aber eine weitere Theorie, wieso bei Jurastudenten derart reaktionäre Meinungen vertreten sind. Dazu muss man sich einfach mal die gesellschaftliche Struktur des Jurastudiums anschauen.

Natürlich kann jeder mit einem Abitur, der durch den ziemlich harten NC kommt, Jura studieren. Aber bedeutet das, dass einer Karriere nichts im Wege steht? Natürlich nicht.

Vitamin B ist das A und O des Jurastudiums. Das ist ein knallhartes Geschäft. Nur die zähesten, durchsetzungsfähigsten und skrupellosesten kommen durch dieses Studium. Und man muss den Rücken frei haben, darf keine materiellen Sorgen haben.

Wer sind die angehenden Juristen? Die Kinder von Richtern, Anwälten, aber auch von Unternehmern und Angestellten in hohen Posten. Alles Menschen, die Einfluss und Kontakte haben, um ihrem Kind die Stellen zu beschaffen. Wer das für ein Gerücht hält, ich habe es selbst gesehen, es ist Realität.

Sind denn diese jungen Menschen irgendwie offen eingestellt? Mitnichten. Sie sind stockkonservativ. Sie haben die elitäre Attitüde ihrer Eltern adaptiert und streben danach, so wie ihre Eltern zu werden: erfolgreich und wohlhabend. Und ihren jetzigen Wohlstand würden sie niemals aufgeben wollen. Sie wollen ihn mit aller Macht erhalten. Gerade deshalb gehen sie in die Juristerei, wo die Verhältnisse weiter zementiert werden.

Natürlich gibt es sie, die aufrechten, idealistischen Juristen, die unsere Gesellschaft verbessern wollen. Doch man muss lange nach ihnen suchen, und sie bekommen stets von den Konservativen Steine in den Weg gelegt.

Ich beobachte schon seit einiger Zeit, dass junge Menschen immer konservativer werden. Doch bei den „Oberschichtlern“ ist dies nochmal deutlich ausgeprägter.

Diese Leute studieren Jura nicht, um Wissen zu erwerben. Sie benutzen es als Werkzeug, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Und diese Interessen sind Besitzstandswahrung und Sicherheit. Und deshalb wollen sie härtere Strafen, deshalb wollen sie Mörder hinrichten lassen. Sie müssten es besser wissen, aber es interessiert sie einfach nicht.

Und das sind die Juristen von morgen, die Recht sprechen und anwenden werden. Na gute Nacht…

Kategorie: Allgemein
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