Studenti Bolognese

28.10.2014 cleaulem
War früher wirklich alles besser? Teilweise schon!

War früher wirklich alles besser? Teilweise schon!

Und wieder einmal eine Studie, die meine eigene Erfahrungen bestätigt und in Zahlen darlegt: Deutsche Studenten sind konservativ und egoistisch. Für Studenten stehen finanzielle Sicherheit vor politischem Engagement. 73 Prozent der Befragten sagten, dass es für sie sehr wichtig ist, sich „schöne Dinge leisten zu können“. In der Studie heißt es:

Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer stark ichbezogenen Studentengeneration. Berufliches Vorankommen sowie materielle Werte sind für sie sehr wichtig

Auch sind die Zeiten vorbei, in denen man Studenten politisch eher links verorten konnte. Viele Studenten und auch junge Leute im Allgemeinen sind heutzutage oft stockkonservativ, was mir schon seit Jahren mehr und mehr aufgefallen ist.

Materialismus ist die heutige Religion, der Götzen des Konsums wird angebetet. Den Menschen in Deutschland geht es (noch im Allgemeinen) sehr gut. Aber gleichzeitig ist auch die Angst vor sozialem Abstieg groß. Man will seinen Wohlstand, den Konsum, der immer weiter befeuert wird, nicht einfach aufgeben. Sonst würde man schließlich merken, dass man sonst nicht viel zu bieten hat.

Ich erlebe es als Student selbst Tag für Tag: die jungen Studenten, die außer Party und Shoppen nicht viel in der Birne haben, wo man sich fragt, warum die überhaupt studieren gehen. Denen das Desinteresse für die Themen, die behandelt werden, mitten ins Gesicht geschrieben stehen. Und warum gehen sie studieren? Weil man einen akademischen Abschluss braucht, um in der Wirtschaft Karriere zu machen, um gut bezahlte Jobs zu kriegen.

An den Universitäten werden die Schleimer immer mehr, die neoliberale Slogans wie am Fließband runterbrechen und nur davon träumen, ganz viel Geld zu verdienen oder sich in bestimmten Bereichen profilieren zu können, was Prestige und Wohlstand verspricht. Bildung oder kritisches Denken werden nicht angestrebt, hauptsache man kann sich das neueste Smartphone kaufen.

Ich mag hier wie ein Kulturpessimist rüberkommen, wie ein alter weißhaariger Mann, der auf die Jugend schimpft. Nun, die meisten würden mich selbst noch als jungen Mann bezeichnen, ich bin noch keine 30 Jahre alt. Ich studiere aber schon seit geraumer Zeit und habe da eine Entwicklung beobachten können.

Die Hauptursache für diese Entwicklung wird im Artikel auch recht gut zusammengefasst:

Walter Grünzweig, Professor für amerikanische Literatur und Kultur an der Technischen Universität Dortmund und Träger des Ars-Legendi-Preises für exzellente Lehre, macht für die Entwicklungen auch die Politik verantwortlich. Der einzige Zweck, den Hochschulen seit der Bologna-Reform noch zu erfüllen hätten, sei es, „Schmalspur-Absolventen“ für den Arbeitsmarkt zu produzieren. „Wir erziehen eine unpolitische, antiintellektuelle Generation“, warnt Grünzweig, der bei den aktuellen Studenten von einer Generation „unter extremem Druck“ spricht.

Ich kenne noch die Verhältnisse vor dem Bologna-Prozess, habe an einer anderen Universität auf Magister studiert und studiere heute in einem Bachelor-Studiengang. Der Magister war nicht billig, das kann ich schon sagen. Die Strukturen und die Handhabung waren aber lockerer. Man konnte sich individuell mit den Dozenten auf Abgabetermine für Hausarbeiten einigen. Im Bachelor werden einem nach der Vorlesungszeit vier Wochen für ALLE Hausarbeiten gegeben, Aufschub ist nicht drin.

Im Magister konnte man sich Kurse aussuchen, die einen interessierten, solange sie für einen bestimmten Themenbereich relevant waren, den man abdecken musste. Das System war sehr fexibel. Heute sind die Kurse in enge Schemata gepresst, die nur bedingt variabel sind. Und man muss dieses Schema auf den Buchstaben genau einhalten.

Heute gibt es keinen Raum mehr, Luft zu holen, das Gelernte mal absacken zu lassen und es reflektieren zu können. Kritisches Denken ist nicht mehr gefragt und es gibt auch nicht mehr den Raum, dieses zu vermitteln, wenn man sich doch immer nach dem Studienplan richten muss.

Der Grundstock dafür wird schon in der Schule gelegt. G8 und Zentralabitur, zwei Dinge, die ich nicht mehr erleben musste, pressen den Schüler in ein Schema, in dem die freie Entfaltung der Persönlichkeit auf der Strecke bleibt. Nur die tumben Bolzen setzen sich durch, die keine eigenen Interessen haben und die nichts hinterfragen. Die schaffen es, durch die Schule zu kommen und die schaffen es, an der Uni zu bestehen.

Eine Generation von konsumgeilen, unkritischen und konservativen Egoisten wird gerade herangezogen. Sie sollen für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden und nicht etwa für die Lehre oder die Forschung. Kritisches und analytisches Denken bleiben auf der Strecke.

Die ersten Auswirkungen sind schon sichtbar. Ich erlebe es tagtäglich am eigenen Leib. Ich sehe es jeden Tag an der Uni. Ich fühle mich manchmal, als wäre ich an einer Universität, die von Zombies bevölkert ist. Sogar bei jungen Dozenten, die ihren Master gemacht haben und die eine Karriere an der Universität anstreben, ist diese Entwicklung zu beobachten. Ich habe da einige sehr schlecht Erfahrungen mit frischgebackenen Dozenten gemacht, die man eigentlich als Totalausfall bezeichnen müsste.

War früher alles besser? Nicht alles, aber vieles…

Kategorie: Allgemein
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