Die Causa Kleid

03.03.2015 cleaulem

kleid

Momentan macht dieses Bild die Runde mit der Frage, welche Farbe das dort abgebildete Kleid haben möge, weiß-gold oder blau-schwarz. Und die einen sagen dies, die anderen jenes. Lustigerweise war meine Antwort weder das eine noch das andere. Für mich war dieses Kleid hellblau-braun.

Nun ist dieses Kleid tatsächlich blau-schwarz, und zwar nicht das helle Babyblau, das so mancher sehen mag, sondern es ist ein kräftiges Indigoblau. Und sofort kamen tausend Experten mit tausend verschiedenen Erklärungen heran, um dieses Mysterium zu lösen. So heißt es bei Vice.com:

„Die Linse unseres Auges verändert sich im Laufe unseres Lebens und je älter man wird, desto weniger sensibel wird man gegenüber blauem Licht.“ Das erklärt vielleicht, warum Dr. Neitz weiß und seine Studenten blau gesehen haben.

Aha, es kommt also auf die physiologische Begebenheiten an, wie man also Farbe wahrnehmen kann. Doch diese Theorie wird auch sofort hinterfragt. Also eine neue Theorie:

Menschen sind mit einer Fähigkeit ausgestattet, die sich „Farbkonstanz“ nennt. Das heißt im Grunde, dass die Farbe Rot auch in dunklem oder hellem Licht rot aussieht. Wenn das Licht selber allerdings farbig ist, passieren komische Sachen. […] Das ist vielleicht auch das, was hier auf dem Foto passiert ist: Das Bild wurde wahrscheinlich in einem bläulichen Licht aufgenommen und dein Gehirn folgert daraus dann, dass das Kleid eigentlich weiß ist.

Okay, also ist das Kleid jetzt in blaues Licht getaucht? Macht blaues Licht auch schwarz zu braun? Hier sind schon mal zwei Erklärungsansätze, die sich widersprechen. Ganz ehrlich: Ich finde keinen von beiden überzeugend.

Auch bei Spiegel-Online hat sich ein Wahrnehmungsforscher zu Wort gemeldet und eine schlaue Erklärung abgeliefert:

Dass Menschen die Farben unterschiedlich interpretierten, liege vor allem an der Beleuchtung, die sie auf dem Foto um das Kleid herum erkennen würden.

„Manche gewichten die strahlende Helligkeit um das Kleid besonders stark“, sagt Gegenfurtner. Ihre Wahrnehmung folgere, ohne das starke Licht am Rande würde das Kleid eigentlich dunkler sein als es auf dem Bild wirke. Sie sprechen den Streifen mithin schwarze und blaue Farben zu. Leute, die die Beleuchtung auf dem Foto weniger stark gewichten, deuten das Kleid hingegen heller.

Aha, wenn man das Bild also ausschneidet, wie es in dem Artikel getan wurde, müsste man deutlich die blau-schwarze Farbe des Kleides sehen. Das tut man aber nicht. Im Gegenteil soll es nun umso deutlicher weiß-gold erscheinen. Aber das widerspricht doch der Erklärung! Wollen die einen verarschen?

Ich bin von keiner dieser Erklärungen überzeugt. Sie klingen alle für mich ein bisschen weit hergeholt und zu kompliziert gedacht. Dabei sollte man mal auf das offensichtliche schauen: das Bild selbst.

Ich bin durch eine kleine Diskussion bei Facebook auf eine einleuchtendere Erklärung gekommen. Eine Freundin, die übrigens genauso wie ich hellblau-braun sah, fragte ihre Facebookfreunde nach der Farbe. Sie schrieb selbst, dass das Bild des Kleides ziemlich schlecht ist, und das ist schon die halbe Miete. Ein anderer Freund von ihr schrieb, dass durch den grellen Hintergrund der Weißabgleich des Bildes wohl kaputt sei. Also habe ich mal mit Gimp ein Paar Experimente gemacht.

Zunächst habe ich mit dem Weißabgleich und den Farbkurven gespielt, bis ich das Kleid tatsächlich blau schwarz bekam:

kleid1

Das ist im Grund nur eine Spielerei, zeigt aber, was man da alles machen kann. Nun habe ich aber weitergemacht. Ich habe mich nun nur auf den Weißabgleich konzentriert. Zuerst habe ich diesen automatisch von Gimp korrigieren lassen:

kleid2histogramm automatisch

Dann manuell:

kleid3histogramm manuell

Die Unterschiede sind hier nur graduell, aber man sieht eines deutlich: Das Kleid hat einen deutlichen Blauton. Okay, man könnte auch sagen, dass es der Schatten ist. Aber Weiß kann man hier nicht mehr wirklich erkennen.

Letztendlich ist das nur Spielerei. Das Bild an sich ist einfach so schlecht, dass man da nicht mehr wirklich viel erkennen kann. Man sieht nicht das Kleid selbst vor sich, sondern ein schlecht gemachtes Bild davon mit kaputten Farben. Und das ist die Krux. Die Erklärungen der Experten laufen hier ins Leere und sind ein Schuss ins Blaue (Jaja, der war flach^^) weil man sich hier auf eine schlechte Abbildung verlassen muss. Da ist nichts mit mysteriösem Phänomen. Das Foto ist einfach nur Mist, das ist alles.

Also im Grunde viel Lärm um nichts.

Kategorie: Internet
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