Wer soll das alles lesen?

12.03.2015 cleaulem

lesekatze

Und wieder einmal hat Captain Obvious die erstaunlichsten Tatsachen aufgedeckt, die man sich nie hätte denken können: In einer Zeit, in der das Wissen exponentiell wächst, finden Wissenschaftler heraus, dass immer mehr wissenschaftliche Studien publiziert werden und dass die Forscher nicht mehr mit dem Lesen und Zitieren hinterherkommen.

Diese Tatsache ist für mich ein Fall für Captain Obvious, weil ich das schon seit langem weiß. Schon vor Jahren hieß es, dass durch die Informationsgesellschaft und durch bessere Forschungsmethoden immer mehr Wissen angehäuft wird und dass es immer schwerer wird, den Überblick über dieses Wissen zu behalten.

Dabei stellen sich mir doch einige interessanten Fragen. Ist es denn bei der schieren Menge von Publikationen nicht irgendwann unausweichlich, dass verschiedene Forscher unabhängig voneinander zu ein und demselben Ergebnis kommen, ohne dass dies jemals jemand bemerkt? Und wie kann man sich sicher sein, dass die eigene Forschung zuverlässige Ergebnisse liefert, wenn sie eventuell auf veraltete Fakten beruht, die von anderen Studien korrigiert wurden, diese aber einem selbst nicht bekannt sind, weil sie in dem Wust von Wissen nicht auffindbar sind?

Hier ist also das Problem: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Man kann irgendwann nicht mehr sinnvoll forschen, wenn man nur noch damit beschäftigt ist, die Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler zu durchforsten.

Früher gab es einmal Universalgelehrte. Diese waren in allen wesentlichen Forschungsfeldern bewandert, von den Naturwissenschaften über die Geisteswissenschaften bis hin zu den Philosophien. Doch mit der immer größer werdenden Menge an Wissen, die die Wissenschaft angehäuft hat, wurde es für eine einzige Person unmöglich, sich in allen wissenschaftlichen Disziplinen umfassend auszukennen. Heute sind Wissenschaftler zwangsläufig Spezialisten, die sich in einer oder zwei Disziplinen sehr gut auskennen und sich in anderen höchsten grundlegende Kenntnisse aneignen können.

Doch selbst in den eng eingegrenzten Disziplinen wird es immer schwieriger den Überblick ob der explodierenden Menge an Wissen zu behalten. Wie oft kommt es in der Zoologie beispielsweise vor, dass ein Forscher eine neue Art beschreibt, aber Jahre später ein anderer Forscher herausfindet, dass ebendiese Art bereits zuvor beschrieben wurde. Es gibt da ein Paar nette Beispiele. Und es wird nicht einfacher.

Die Frage ist natürlich, wie dieses Wissen überhaupt nutzbar wird, wenn man es schon so schwer hat, es aufzufinden in dem ganzen Wust an Fakten und Erkenntnissen. Laufen wir nicht irgendwann mal Gefahr vor lauter Wissen wieder in eine gewisse Unwissenheit zu verfallen? Dass wir nichts mehr wirklich wissen, weil in den ganzen Details der Zusammenhang verschwimmt, und wir uns nur noch in einem Brei von Fakten verlieren?

Ich hoffe dass es niemals so weit kommt.

Kategorie: Wissenschaft
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