Kommunistenbuddhisten

14.03.2015 cleaulem

kreislauf

Die kommunistische Partei Chinas beweist mal wieder sehr viel Realitätssinn. Denn sie will den Dalai Lama nach seinem Tod zur Wiedergeburt zwingen.

Ja, wirklich. Der jetzige Dalai Lama, geboren als Lhamo Dhondrub, hatte in der Vergangenheit immer wieder angedeutet, nach seinem Tod nicht mehr wiedergeboren zu werden. Er wäre also der letzte Dalai Lama.

Das sehen die Vertreter der Kommunisten in Peking ein klein wenig anders:

„Ob er die Wiedergeburt beenden will oder nicht, liegt nicht in seiner Hand“, sagte Padma Choling, Vorsitzender des Tibeter Regionalkongresses, während des aktuell stattfindenden Volkskongresses der Kommunistischen Partei in Peking.

Und Zhu Weiqun, ein hochrangiger chinesischer Parteifunktionär:

„Die Entscheidungsgewalt über die Reinkarnation des Dalai Lama und über das Ende oder das Überleben seiner Erbfolge, liegt bei der Zentralregierung Chinas“

Oh mein Gott, das ist wirklich köstlich. Das ist der beste Bullshit, den ich seit langem gelesen habe.

Mal ein wenig Hintergrundinformation: Der Dalai Lama ist im tibetischen buddhistischen Volksglauben ein Erleuchteter, der dem Kreislauf der ewigen Wiedergeburt entronnen ist, der sich aber aus Gnade dazu entschlossen hat, trotzdem weiterhin wiedergeboren zu werden, um anderen Menschen ebenfalls zur Erleuchtung zu verhelfen. Dies tut er als geistiger und politischer Führer Tibets.

Ob das so alles wirklich stimmt, darüber kann man sich streiten. Nur sind die Kommunisten nicht gerade als sehr gläubige Menschen bekannt. In den letzten Jahrzehnten wurden Buddhisten in Tibet rigoros verfolgt, Klöster zerstört und Mönche umgebracht. Und jetzt auf einmal erklären sie sich für die Belange des Dalai Lama zuständig?

Und das Beste ist ja, dass sie ihm auch noch Vorschriften machen wollen. Die Entscheidungsgewalt liegt an der chinesischen Zentralregierung!? Da lachen ja echt die Hühner.

Die Entscheidung, ob der Dalai Lama wiedergeboren wird, liegt ganz allein bei ihm selbst. Da kann ihm niemand etwas vorschreiben. Er stirbt und kommt einfach nicht zurück. Ich würde zu gerne wissen, was die chinesische Zentralregierung machen will, wenn er sich einfach weigert wiedergeboren zu werden. Was hätten sie denn da tatsächlich für eine Handhabe?

Natürlich geht es den Chinesen nicht um religiöse Fragen, sondern um politische. Wenn sie nämlich einen eigenen ihnen hörigen Kandidaten präsentieren könnten, hätten sie eine festere Grundlage für ihre Herrschaft in Tibet. Wenn es um Geld oder Macht geht, scheißt man natürlich auf die Prinzipien, dann scheißen die Kommunisten auch auf ihren Atheismus. Es ist doch immer wieder dasselbe.

Schon in früheren Jahrhunderten versuchte die chinesische Zentralregierung Einfluss auf die Bestimmung des Dalai Lama zu nehmen um ihre eigene Position in Tibet zu stärken. In der Hinsicht ist die kommunistische Partei also nicht die erste.

Zum Schluss noch ein Zitat aus dem Artikel:

Der Dalai Lama will eine Einmischung der chinesische Regierung nach seinem Tod verhindern. Bereits im vergangenen Dezember hatte er in einem Interview mit der BBC gesagt, es sei an den Menschen in Tibet, zu entscheiden, ob die Institution des Dalai Lamas weiter bestehen solle oder nicht.

Nein, ist es nicht. Es ist seine eigene. Wenn er keine Lust mehr hat, macht er sich davon. Die können natürlich irgendein Gör zum Dalai Lama ernennen, aber das wäre dann nur Aberglauben.

« - »

Keine Kommentare»»

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag- Trackback

Schreibe einen Kommentar!

Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> .

%d Bloggern gefällt das: