Are democracy and nationalism allies or enemies?

21.03.2015 cleaulem

bandera

Sind Demokratie und Nationalismus Verbündete oder Feinde?

Diese Frage ist gerade in der heutigen Zeit mehr als aktuell. In gewisser Weise kann man sagen, dass von dieser Frage die Zukunft Europas abhängt. In der Eurokrise mauern sich die einzelnen Mitgliedsstaaten wieder mehr ein und verfolgen zunehmend eigene nationale Interessen anstatt an einem Strang zu ziehen. Der Ton wird schärfer, was man vor allem hier in Deutschland sieht.

Die Deutschen sehen die Griechen immer mehr als Schmarotzer, die auf Kosten der hart arbeitenden Teutonen sich ein schönes Leben machen wollen. In Griechenland sieht man an vielen Stellen Plakate, wo Angela Merkel mit Hitler verglichen wird und die Deutschen geradezu als Besatzer betrachtet werden.

In vielen Ländern gewinnen populistische Bewegungen an Boden, die mit nationalistischen Parolen um die Gunst der Bevölkerung werben und die (vermeintlichen) nationalen Interessen betonen. In Deutschland ist die AfD sogar schon in mehrere Landesparlamente eingezogen.

Auch die Ukraine-Krise ist eine Konsequenz nationaler Ressentiments. Die Krim wurde aus nationalistischen Motiven von Russland annektiert, und in der Ostukraine versuchen Separatistengruppen, sich von der Ukraine zu lösen und sich ebenfalls Russland anzuschließen. In der Westukraine wiederum wird Stepan Bandera, der auf dem oben abgebildeten Plakat zu sehen ist, als Nationalheld verehrt. Dazu muss man wissen, dass Bandera der Führer der UPA, der ukrainischen Aufständischenarmee war, die während des Zweiten Weltkrieges mit Hitler-Deutschland kollaborierte und tausende ethnische Polen umbrachte. In Polen, Russland und der Ostukraine wird Bandera als Verbrecher betrachtet, in der Westukraine als Held verehrt.

Doch was bedeutet das alles für die Demokratie? Schließen sich denn Demokratie und Nationalismus aus?

Wenn man von der wörtlichen Bedeutung ausgeht, gibt es keinen Widerspruch. Das Wort „Demokratie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Herrschaft des Volkes“. Und ein Nationalist sieht sich doch als Angehöriger eines bestimmten Volkes, so dass es doch für ihn kein Widerspruch ist, wenn in seinem Land sein Volk herrscht. Das ist doch dann eine Demokratie, nicht wahr?

So einfach ist das nicht. Der Begriff Demos stand für das „Staatsvolk“, also den Vollbürgern einer politischen Einheit (z.B. einer Polis, einem griechischen Stadtstaat). Das waren nur freie Männer. Sklaven und Frauen waren nicht einbezogen, gehörten also nicht zum Demos. Dem gegenüber stand der Begriff des Ethnos, einer (aus Sicht der Griechen fremden) Menschengruppe mit gemeinsamer Herkunft, Sprache und Kultur.

Daraus lässt sich schließen, dass in seiner ursprünglichen Bedeutung die Demokratie eben nicht die „Herrschaft des Volkes“ ist, unter der man sie heutzutage versteht. Heute halten wir die Prinzipien der Volksvertretung hoch, die in allgemeinen, freien und geheimen Wahlen gewählt werden, und zwar von allen mündigen Bürgern, Männern wie Frauen.

Woher kommt der Nationalismus?

Der Nationalismus ist, was viele gar nicht wissen, ein ziemlich neues Phänomen. Er entwickelte sich erst ab dem 18. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung. Als Katalysator diente vor allem die Französische Revolution von 1789, in der erstmals in großem Maße Bezug auf die Zugehörigkeit zu einem Volk genommen wurde. Das Französische galt als Sprache der Republik, und alle Bürger Frankreichs waren Franzosen. Dies gilt bis heute, was dazu führt, dass immer noch Minderheitensprachen in Frankreich einen schweren Stand haben.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts bildeten sich dann in vielen Ländern Nationalbewegungen. Die griechische Nationalbewegung sorgte schließlich dafür, dass Griechenland 1832 vom Osmanischen Reich seine Unabhängigkeit erstritt. Die ethnische Herkunft wurde für die eigene Identität immer wichtiger. Man definierte sich fortan durch Sprache, Herkunft und Ethnie. Doch was bedeutet das? Wie kann man eine Nation definieren? Es gibt viele Antworten, doch keine davon ist wirklich befriedigend. Gemeinsame Sprache, Religion, Schrift, Geschichte? Man muss sich alleine nur die Geschichte Weißrusslands betrachten, um zu sehen, dass die Definition des Begriffes Nation wirklich sehr schwer ist.

Bis zum 18. Jahrhundert war dieser moderne, schwammige Begriff von Nation noch unwesentlich. Man identifizierte sich über den Herrscher. Ein Weißrusse, der in der frühen Neuzeit im Königreich Polen lebte, wird sich nicht wirklich als Weißrusse gesehen haben. Die Sprache der Elite war Polnisch, die Untertanen sprachen alle möglichen Sprachen, welcher Ethnie sie jeweils angehörten. Aber das wesentliche war, dass sie sich als Polen sahen, weil sie Untertanen des polnischen Königs waren.

Kann Nationalismus demokratisch sein?

Es gibt viele Menschen die sagen, dass Patriotismus in Ordnung ist, Nationalismus aber nicht. Ich habe diese Sichtweise auch lange vertreten. Doch ich habe auch lange unterschwellig einen Konflikt in dieser Ansicht wahrgenommen, nämlich dass es nicht leicht ist, zwischen diesen beiden Ansichten zu unterscheiden.

Tatsächlich ist es so, dass die Grenzen zwischen Patriotismus und Nationalismus sehr fließend sind. Ist dieser Mensch Patriot oder Nationalist? Das kann jeder anders sehen.

Nationalismus bedeutet, dass man der Ansicht ist, dass das eigene Land, das eigene Volk, besser als andere sei. Nationalismus ist ein einigender Faktor nach innen, aber ein ausschließender Faktor nach außen. Man kümmert sich nur um seinesgleichen. Man akzeptiert nur Menschen, die dieselbe Sprache sprechen, die dieselbe Hautfarbe haben wie man selbst und die im selben Land geboren und aufgewachsen sind. Alle anderen sind die „Fremden“, die „Minderwertigen“. Natürlich würden die meisten selbsternannten „Patrioten“ bestreiten, dass sie es so sehen. Aber ihre Handlungen sprechen eine andere Sprache.

In Ländern, in denen mehr als eine „dominierende“ Volksgruppe lebt, kommt es dadurch sehr oft zu schlimmen Konflikten, die teilweise in blutige Bürgerkriege münden. Aber das würde gleichzeitig bedeuten, dass Demokratie nur in ethnisch homogenen Ländern existieren könnte. Und dies widerspricht dem Geiste der Demokratie.

Die Solidarität mit anderen Ländern reicht auch nur so weit, wie man selbst daraus einen Vorteil ziehen kann. Wenn auf einen selbst Kosten zukommen, dann mutieren viele zu regelrechten Rassisten. Die Griechenlandkrise ist da ein sehr gutes Beispiel. Das ist ein fatales Signal für die europäische Einigung, aber auch für die Demokratie im eigenen Lande.

Demokratie bedeutet, dass niemand aufgrund von Ethnie, Hautfarbe oder Geschlecht benachteiligt werden soll. So verstehe ich das zumindest. Wenn ein Land ethnische Gruppen aufgrund ihrer Ethnie, ihrer Sprache oder wegen was anderem diskriminiert, dann kann man dieses Land nicht demokratisch nennen. Und Nationalismus bedeutet, dass andere „Nationen“ ausgeschlossen werden.

Deshalb sind Demokratie und Nationalismus Feinde.

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