Is boredom unfairly maligned?

11.04.2015 cleaulem

langeweile

Wird Langeweile ungerechtfertigterweise verleumdet?

Jeder kennt es doch. Man hat mal einen Tag frei, kann ohne jede Verpflichtung tun was man will. In seiner Vorfreude malt man sich die tollsten Dinge aus, die man tun kann. Man könnte mal wieder ein Bild malen, oder man macht eine Wanderung im Grünen, oder man räumt endlich einmal den Dachboden auf, was man schon seit so langer Zeit vor sich hergeschoben hat.

Dann endlich ist der Tag gekommen, man hat alle Zeit und Möglichkeiten der Welt und man tut: nichts! Man sitzt gelangweilt da, schaut fern oder surft im Internet und hat so überhaupt keine Lust, irgendetwas zu tun. Das Bild? Nein, ich bin nicht inspiriert genug. Die Wanderung im Grünen? Da müsste ich ja meine Wanderklamotten raussuchen und überhaupt. Der Dachboden? Naja, den kann ich ja auch nächste Woche noch aufräumen…

Schon ist man von der Langeweile übermannt und man verbringt den ganzen Tag mit Nichtstun. Man hat auf nichts Lust, nichts macht einem Spaß. Alles ödet einen nur noch an.

Laut Wikipedia ist Langeweile „das unwohle Gefühl, das durch erzwungenes Nichtstun hervorgerufen wird oder bei einer als monoton oder unterfordernd empfundenen Tätigkeit aufkommen kann“. Die Definition ist meiner Meinung nach zu eng. Man kann auch gelangweilt sein, wenn man alle Möglichkeiten hat, sich zu beschäftigen. Man kennt es vom verwöhnten Kind, dass sein ganzes Kinderzimmer bis unter die Decke mit Spielzeug gefüllt hat und sich trotzdem langweilt. Und es gibt auch Tage, an denen einem einfach nichts Spaß macht. Warum das so ist weiß ich nicht, aber darum soll es hier auch nicht gehen.

Ein Überangebot an Möglichkeiten kann zu Langeweile führen. Wenn man viele Alternativen hat, findet man an allem etwas, das einem keinen Spaß macht, weil es ja so viele andere Möglichkeiten gibt. Welchen Kaffee hole ich mir heute bei Starbucks? Keine Ahnung, es gibt so viele Variablen, dass man da den Überblick verliert. Tatsächlich haben Untersuchungen gezeigt, dass weniger Auswahlmöglichkeiten die Zufriedenheit steigern. Man hat einige wenige Möglichkeiten, mit denen man sich ausgiebig beschäftigen kann. Hat man viele Möglichkeiten, kann man sich natürlich auch mit einer einzelnen ausgiebig beschäftigen, doch hat man dabei immer die riesige Auswahl im Hinterkopf, die einen das Interesse an der einen Sache verlieren lässt.

Langeweile kann aber auch aufkommen, wenn man keinen Input bekommt, mit dem man sich beschäftigen kann. Eine monotone, unterfordernde Tätigkeit kann einem schon sehr an den Nerven zehren. So habe ich eine Arbeit, die mich oft sehr unterschiedlich fordert. Wenn viel zu tun ist, dann geht die Zeit fast wie von selbst rum, dann merke ich nicht, wie sie vergeht und schon habe ich Feierabend. Aber manchmal ist auch einfach gar nichts zu tun, und dann sitze ich da und langweile mich, und die Zeit will einfach nicht vergehen. Es mag vielleicht komisch klingen, aber ich arbeite am liebste dann, wenn relativ viel zu tun ist.

Langweile wird als etwas negatives gesehen. Man sollte sie vermeiden, man sollte etwas tun, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Hat man einen freien Tag und verbringt ihn mit Nichtstun, bekommen wir ein schlechtes Gewissen. Hier muss aber mit einem Missverständnis aufgeräumt werden. Ich rede hier nicht von Müßiggang, also dem Herumbringen von Zeit mit Tätigkeiten, die Spaß machen. Langeweile ist hier etwas durchgängig negatives. Wenn man sich langweilt, hat man keinen Spaß. Man hat nicht das Gefühl, seine Zeit sinnvoll zu verbringen. Bei Müßiggang kommt das schlechte Gewissen oft hinterher, wenn man denkt, dass man in dieser Zeit etwas „sinnvolleres“ hätte machen können. Doch bei Langeweile fühlt man sich durchgängig unwohl. Man versucht die Zeit irgendwie totzuschlagen, weil man sie einfach nur weghaben möchte.

Müßiggang kann einen persönlich voranbringen. Man kann neue Ideen schmieden, neue Dinge ausprobieren. Es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn man etwas tut, das einem Spaß macht. Und seien es Computerspiele. Auch wenn viele da den moralischen Zeigefinger heben, sind Computerspiele nicht per se Zeitverschwendung. Nur wenn man es übertreibt und darüber seine Pflichten vernachlässigt, wird es kritisch. Doch das gilt eigentlich für jede Tätigkeit, egal wie sinnhaft sie anderen erscheinen mögen.

Langeweile ist eine Art von Zeitverschwendung. Man will die Zeit ungeschehen machen, sie einfach nur hinter sich bringen. Man will, dass es später wird, weiß nichts mit sich anzufangen. Langeweile ist also etwas negatives. Aus diesem Grunde sage ich auch, dass die Langeweile ihren schlechten Ruf zurecht trägt.

Im Existenzialismus ist die Langeweile ein Grundzustand der menschlichen Existenz. Wir sind auf die Welt geworfen und uns selbst überlassen. Wir müssen unserer Existenz und damit unserer Zeit in der Welt einen Sinn geben. Langeweile (ohne Not) kann man so gesehen als Versagen sehen, sich selbst einen Sinn zu geben. Langeweile ist eine private Sache. Das sieht man auch an den verschiedenen Definitionen von Langweiligem. Was dem einen die größte Freude bereitet, ödet den anderen einfach nur an. Viele Menschen können sich für Fußball begeistern und verfolgen alle Spiele der Bundesliga. Ich finde Fußball stinkelangweilig. Dafür lese ich gerne Texte über Sprachen, was den allermeisten Menschen nicht gerade großes Interesse entlockt.

Um sich langweilen zu können, braucht man auch eine gewisse Grundintelligenz. Man braucht ein Bedürfnis nach geistigem Input und Zerstreuung, damit man überhaupt merkt, dass eine Tätigkeit monoton ist. Ein Haifisch schwimmt sein ganzes Leben nur durch das Meer, ohne dass die meiste Zeit überhaupt etwas geschieht. Ab und zu findet er dabei Beute, doch die meiste Zeit gleitet er einfach nur durch das Wasser. Haie haben kein sehr großes Gehirn, sie sind ziemlich dumm, also macht es ihnen nichts aus. Sie sind mit dem geistigen Input den sie haben zufrieden, denn sie können gar nicht unzufrieden und gelangweilt sein. Der Mensch sucht einen Sinn in seiner Existenz, also braucht er etwas, um seine Zeit auf der Welt zu füllen, sei es mit Zerstreuung oder mit geistig fordernder Arbeit. Deshalb ist Langeweile für jeden Menschen eine Qual.

« - »

Keine Kommentare»»

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag- Trackback

Schreibe einen Kommentar!

Folgende HTML-Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> .

%d Bloggern gefällt das: