Abenteuer Latein

20.04.2015 cleaulem

latein

Seit heute tue ich etwas ungeheuerliches: Ich lerne Latein. Heute ging das Sommersemester an meiner Uni los und heute morgen hatte ich gleich als erstes meinen Lateinkurs. Denn ich gedenke mein Latinum nachzuholen.

Es ist nicht meine erste Begegnung mit der lateinischen Sprache. In der Mittelstufe hatte ich bereits in der 9. und 10. Klasse zwei Jahre lang Lateinunterricht. Doch bin ich diesem nicht wirklich mit großem Ernst gefolgt. Das lag vor allem daran, dass mein Lateinlehrer ein Quatschkopf war, der seinen Beruf nicht sonderlich ernst genommen hat. Er hat viele Witze und Späße gemacht und viele Sprüche rausgehauen. Ich habe sogar viele dieser Sprüche aufgeschrieben und bis heute aufgehoben. Nun ist so etwas keine sonderlich große Motivation, vor allem weil ich sowieso schon nicht sonderlich motiviert war. Ich ließ mich von meinem Lehrer irgendwie durchschleppen, er gab mir immer eine Vier, damit ich keine Probleme bekam.

Später habe ich immer bereut, dass ich Latein damals nicht weiter betrieben habe. Ich hatte ja tatsächlich die Chance, mein Latinum zu machen, und jetzt muss ich das alles mühsam nachholen. Nun ist es aber nicht so, dass ich vom damaligen Lateinunterricht überhaupt nichts mitgenommen hatte. Die a- und die o-Deklination bekomme ich noch ohne größere Probleme zusammen. Die einfacheren Zeiten der a- und e-Konjugation kriege ich auch noch irgendwie hin. Und ein paar Vokabeln kriege ich auch noch irgendwie zusammen. Den einen oder anderen einfachen lateinischen Text kriege ich auch noch übersetzt. Ich habe also schon ein gewisses Fundament, auf dem ich aufbauen kann.

Auch interessiere ich mich schon länger für die Sprache allgemein. Ich habe mich auch mit der lateinischen Grammatik auseinandergesetzt, auch wenn ich nicht die einzelnen Formen memoriert habe, so dass ich sie aktiv anwenden kann. Ich habe mir aber schon ein genaueres Bild von der Sprache gemacht und falle nun nicht ins kalte Wasser. Ich denke auch, dass Latein mir aus diesen Gründen relativ leicht fallen wird. Ich werde auf jeden Fall keine größeren Verständnisschwierigkeiten bekommen, da bin ich mir sicher.

Ist Latein wirklich so schwer?

Es herrscht ja das Vorurteil, Latein sei ja so unglaublich schwer. Es habe ja unglaublich viele komplizierte Formen, die total unlogisch sind. Ich persönlich kann dieses Vorurteil nicht bestätigen. Natürlich hat Latein recht viele grammatische Formen. Es gibt eine umfangreiche Deklination und Konjugation. Doch im Vergleich zu anderen Sprachen ist das Lateinische sehr harmlos. So hat das Substantiv fünf Fälle, es gibt fünf Deklinationsklassen. Das Sanskrit dagegen hat sieben Fälle und eine Vielzahl von Deklinationsklassen und dazu noch einen Dual, der dem Lateinischen fehlt.

Ähnlich sieht es bei den Verben aus. Wenn man die Formen eines Verbes im Lateinischen zusammenzählt, so kommt man auf rund hundert verschiedenen Formen. Im Sanskrit, so habe ich mal gelesen, kann ein Verb über 800 verschiedene Formen annehmen. Latein ist also in dieser Hinsicht noch recht handzahm.

Ein weiteres Merkmal, was bei Latein gerne übersehen wird, ist die Regelmäßigkeit. Natürlich gibt es einige unregelmäßige Formen. Aber bei den Substantiven muss man nur eventuell den Genetiv mitlernen, um daraus alle anderen Formen abzuleiten. Das kann man noch dem Lernenden zumuten. Es gibt fünf Verbklassen, deren Formen sehr regelmäßig abgeleitet werden. Die Anzahl der unregelmäßigen Verben ist dagegen recht überschaubar. Und das beste ist: aus den wenigen unregelmäßigen Verben wird eine Vielzahl weiterer oft vorkommender Verben gebildet, so dass man nur eine Konjugation lernen muss, um gleich eine Vielzahl von Verben beugen zu können.

Viele Schüler wählen Französisch als zweite Fremdsprache, da ihnen Latein als zu schwer erscheint. Wenn man aber genauer hinschaut, dann ist Französisch in Wirklichkeit viel schwerer als Latein. Es gibt zwar nicht so viele verschiedene Formen wie im Lateinischen, doch ist die Französische Verbbeugung immer noch sehr umfangreich. Und vor allem ist sie ein Minenfeld der Unregelmäßigkeiten. Der Lernende muss seitenlange Tabellen an unregelmäßigen Verbformen im Französischen memorieren, wo die Verschleifungen im Laufe der Sprachentwicklung ein Trümmerfeld hinterlassen haben.

Ich würde jetzt nicht sagen, dass Latein eine einfach zu lernende Sprache wäre, aber es ist auch nicht das Monster, als das es gerne dargestellt wird und als das es bei Lateinschülern gerne gesehen wird.

Ich schreibe irgendwann vielleicht mal über denn Sinn, den es macht, Latein zu lernen. Da gibt es nämlich auch viel darüber zu schreiben. Das Lateinstudium hat viele Freunde, aber auch viele Gegner. Vor allem wird Latein mangelnde Relevanz in der modernen Welt vorgeworfen. Ich sehe das nicht so, Latein ist nach wie vor relevant. Doch dazu will ich ein andermal etwas schreiben.

Auf jeden Fall werde ich jetzt Latein lernen und ich freue mich auf meine kommenden Abenteuer in der Welt der Römer.

Kategorie: Sprachen
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