Warum Latein?

23.04.2015 cleaulem

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In meinem letzten Beitrag habe ich bereits erzählt, dass ich momentan dabei bin, Latein zu lernen. Nun möchte ich ein Paar Worte zu meiner Motivation loswerden, die Mühen auf mich zu nehmen, diese nicht ganz einfache Sprache zu lernen.

Die Hauptmotivation ist für mich in erster Linie natürlich ganz profaner Natur. Ich will mir als Bachelorstudent die Option offenhalten, später mal meinen Master in Geschichte zu machen. Und dafür braucht man nun mal das Latinum (also zumindest an den Unis in meiner Umgebung, da gibt es natürlich woanders Unis, die für den Geschichtsmaster kein Latinum voraussetzen). Außerdem kann Latein in anderen Bereichen auch von Nutzen sein, je nachdem wo ich einmal arbeiten möchte. So wäre der Archivardienst eventuell eine Zukunftsperspektive für mich, in denen Lateinkenntnisse ein nicht unerheblicher Vorteil wären. Doch abgesehen von solch profanen Überlegungen muss ich mich trotzdem auch fragen, welchen Nutzen das Studium des Lateinischen denn haben kann.

Es gibt viele, die sagen, dass Latein doch an sich nutzlos ist. Wieso sollte man eine Sprache lernen, die seit zwei Jahrtausenden tot ist? Sollte man die Zeit und die Energie nicht lieber in das Studium einer lebenden Sprache investieren wie Französisch, Spanisch oder (heutzutage groß im Kommen) Chinesisch? Natürlich bindet es Lernenergie, Latein zu lernen, doch bin ich der Meinung, dass Latein einige großartige Vorzüge hat, die sein Studium lohnend machen.

Einmal kann das pure Interesse an römischer Geschichte und Literatur stehen. Darf man sich nicht für etwas interessieren, auch wenn es vordergründig keinen „volkswirtschaftlichen Nutzen“ hat? Diese Ökonomisierung aller menschlichen Lebensbereiche ist mir eh ein Dorn im Auge. Wenn wir alles nur nach dem ökonomischen Nutzen beurteilen, sind wir im Prinzip nicht besser als die Affen, die durch die Wälder auf der Suche nach Nahrung streifen.

Apropos römische Geschichte. Die kulturellen Überlieferungen durch die Römer sind nicht hoch genug einzuschätzen. Fast die Hälfte unseres Wortschatzes ist lateinischen Ursprungs. Unser Recht basiert zu großen Teilen auf dem, was die Römer entwickelt haben. Und Latein ist (zusammen mit Griechisch) die Sprache von Medizin und Technik. Es wäre fahrlässig, den Ursprung dieser Errungenschaften zu vergessen. Würde unsere Gesellschaft Latein vergessen, würde sie ihren Ursprung, ihre Wurzeln und somit auch ihr geistiges Fundament vergessen. Wir stünden vor dem Nichts.

Es wird viel darüber gestritten, ob das Studium des Lateinischen das logische Denken fördere oder nicht. Nun ist Latein nicht die logischste Sprache, die man sich vorstellen kann. Es hat genug Unregelmäßigkeiten und Inkonsequenzen. Aber es ist sicherlich eine gute Schulung des analytischen Verstandes, einen lateinischen Satz in seinem Kopf in seine Bestandteile zu zerlegen, zu analysieren und diesen Satz schließlich ins Deutsche zu übertragen. Jede Schulung des Denkens ist grundsätzlich zu begrüßen. Man kann gegen das Lateinstudium argumentieren was man will, aber Latein zu lernen hat sicherlich noch niemanden dümmer gemacht.

Latein ist eine tote Sprache, es gibt keine Muttersprachler mehr. Doch ist dies ein Grund, auf den Lateinunterricht zu verzichten? Latein hat eine Vielzahl von Tochtersprachen, die von mehreren hundert Millionen Menschen gesprochen werden. In einem gewissen Grad hilft einem Latein, sich in seinen Tochtersprachen einfacher zurechtzufinden. Wenn man die Ableitungsmuster kennt, kann man mit Lateinkenntnisse schon sehr viel Spanisch, Französisch oder Italienisch verstehen.

Es mag noch viel mehr gute Argumente für das Lateinstudium geben (sicherlich auch viele dagegen), doch wollte ich nur einige mir persönlich wichtige hier vorstellen, die für mich den Ausschlag gegeben haben, mit größerer Motivation Latein lernen zu wollen. Das Lateinische hat eine immense Bedeutung in unserer Gesellschaft und Kultur, die man auf jeden Fall nicht unterschätzen sollte. Schon aus diesem Grund sollte man weiterhin Latein unterrichten.

Kategorie: Sprachen
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