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13.05.2015 cleaulem

militaer

Ich bin nun wahrlich kein Militarist. Eher im Gegenteil, ich bin radikaler Pazifist. Ich lehne alles militaristische ab. Ich habe damals den Dienst an der Waffe verweigert und stattdessen den Zivildienst gemacht. Doch heute will ich mich mal ausnahmsweise genauer mit einem militärischen Thema befassen. Es soll um Militärparaden gehen.

Mein Interesse ist hierbei eher wissenschaftlicher Natur. Ich habe mich mal dafür interessiert, wie Militärparaden in verschiedenen Ländern abgehalten werden und wie sie sich voneinander unterscheiden. Dafür habe ich mir auf Youtube einige Paraden angeschaut und dabei interessante Beobachtungen gemacht.

Als erstes möchte ich mir eine Militärparade anschauen, die in Nordkorea abgehalten wurde. Nordkorea ist so ziemlich das militaristischste Land der Welt. Das spiegelt sich sogar im offiziellen Staatsmotto Songun wieder, was „Militär zuerst“ bedeutet. Kein Land auf der Welt gibt im Vergleich soviel Geld für sein Militär aus. Und das sieht man auch an den Militärparaden.

Allein schon die Dimension der Parade ist gewaltig. Da marschieren um die 100.000 Menschen auf einmal, nicht einmal die anderen Statisten mitgezählt, die auf dem Kim Il-Sung Platz stehen und als lebende Plakatwand fungieren.

Natürlich soll sich jetzt niemand das ganze Video zweieinhalb Stunden anschauen. Deswegen will ich einige Highlight hervorheben.

So ca. ab 00:37:00 geht die Inspektion der Truppen los. Da sind also zwei hohe Offiziere, die sich mit einem Auto herumkutschieren lassen und die ganzen Truppen in einer elendlangen Zeremonie inspizieren. Allein das ist schon ein riesiges Affentheater, aber das ist alles im Grunde nur Vorgeplänkel.

Richtig los geht es ab 1:05:10. Da wird marschiert! Und was fällt dabei auf? Zunächst einmal marschieren die Soldaten alle im Stechschritt. Und wie die marschieren! Alle absolut synchron, und die heben alle die Beine exakt gleich hoch.

Es ist ja eine Zurschaustellung von Disziplin, die dort stattfindet. Und bei der nordkoreanischen Parade ist diese bis aufs Äußerste ausgereizt. Da marschieren zehntausende Soldaten im Gleichschritt und da fällt keiner aus der Reihe. Alle marschieren im Stechschritt, die Arme an die Seite des Körpers gepresst. Das finde ich dabei fast schon am bemerkenswertesten. Die bewegen die Arme gar nicht. Nur die Beine bewegen sich. Auch ist das fast kein Gehen mehr. Eher bewegen sich die Soldaten mittels kleiner Sprünge fort. Man kann das bei genauem Hinsehen gut beobachten. An dieser Bewegung ist nichts Natürliches mehr. Und die Beine werden stets durchgestreckt. Die Knie werden kein einziges Mal gebeugt. So marschieren sie über mehrere Kilometer. Man kann sich vorstellen, wie anstrengend das sein muss.

Durchgehend stoßen die Soldaten eine Art „Kriegsgeschrei“ aus, es werden martialische Parolen sein. Im Takt bleiben sie durch Militärmusik, die ziemlich altbacken wirkt. Insgesamt wirkt diese Veranstaltung aus der Zeit gefallen. Die Uniformen, die Waffen, die Fahrzeuge erinnern irgendwie an die 1970er Jahre. Es hat eine regelrechte Staubschicht. So wirkt diese ganze Veranstaltung anachronistisch, als hätte sich dieser Staat schon lange selbst überlebt. Wenn nicht die Jahreszahl 2013 im Videotitel stünde, könnte diese Parade genauso gut dreißig Jahre früher datiert sein. Es würde fast nicht auffallen.

Nun schauen wir uns mal eine Militärparade in China an. China ist auch eine recht militaristische Nation, so unterhält es die an der Anzahl an Soldaten gemessene größte Armee der Welt. Auch strebt China eine Rolle als Großmacht an und schickt sich an, die USA als Militärmacht herauszufordern.

Wie sieht nun also eine chinesische Militärparade aus? Die Unterschiede zur nordkoreanischen Parade sind gewaltig. Doch erst einmal das Video:

Am besten ist der Titel des Videos: „The largest peace keeper in the world“. Dazu steht folgendes in der Beschreibung:

China has a tradition of doing a parade every ten years.
During the last ten years, China never started any war, nor get involved in any. That’s why I say it’s a peace keeper

[…]

I personally love peace, I believe many people have the same feeling with me.
And I can say, most Chinese people love peace, many of Chinese are Buddhist or believe Confucianism. Let’s make the world a better place, a safer place.

Yeah, lasst China die Führung übernehmen! Die sind ja so friedlich!1!!

Die Marschierei geht übrigens bei 0:18:44 los. Insgesamt kann man sagen, dass die ganze Veranstaltung weniger bedrohlich und martialisch rüberkommt. Die Marschmusik ist sehr viel lockerer im Stil, fast schon fröhlich. Die Soldaten marschieren auch in einem Stechschritt, doch beugen sie dabei auch die Beine. Natürlich laufen alle im absoluten Gleichschritt und heben die Beine exakt gleich hoch. Vor allem von der Seite sehen die Formationen schon sehr beeindruckend aus. Aber trotzdem wirkt es weniger streng als bei den Nordkoreanern.

Was besonders auffällt: Die chinesischen Soldaten bewegen beim Marschieren ihre Arme. Auch ist es nicht so, dass sie durchgängig den strengen Stechschritt laufen, sondern dass sie auf den Paradeplatz in einem weniger strengen Schritt marschieren. Wenn Sie vor den Staatschef treten, skandieren die beiden Soldaten an der Spitze eines Zuges einen Ruf, den die Soldaten des Zuges unisono beantworten, um dann schließlich in den Stechschritt zu verfallen, in dem sie auch die Arme in einer beindruckenderen Geste bewegen. Wenn die Soldaten in den Stechschritt übergehen, kann man auch hören, wie die Schritte lauter werden.

Auch von der Aufmachung her ist diese Veranstaltung anders als in Pjöngjang. Man kommt sich tatsächlich vor wie im Jahr 2009, als diese Veranstaltung stattfand. Die Soldaten tragen neue, moderne Uniformen. Die Musik ist modern. Die gezeigten Waffensysteme wirken nicht wie aus dem Museum geklaut.

Die gesamte Veranstaltung wirkt fast schon wie ein Volksfest. Die Menschen stehen am Rand und jubeln den Soldaten zu. Man sieht echte Freude in ihren Gesichtern. Es wird Disziplin zur Schau gestellt und nicht die absolute Unterwerfung wie in Pjöngjang. Die Chinesen haben nicht die martialische Abschreckung nötig. Diese Parade strahlt eher echtes Selbstbewusstsein aus.

Ich will damit nicht sagen, dass ich das chinesische Militär jetzt gut finde. Diese Parade ist trotzdem ein Ausdruck von Militarismus und China ist nach wie vor eine repressive Diktatur, in der Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Ich will die Darstellung der Militärparade nur mit der in Nordkorea vergleichen.

Apropos repressiv. Schauen wir uns zum Schluss noch die Militärparade zum 9. Mai in Moskau von 2014 an. Nach der obligatorischen Inspektion der Truppen (die mich verdächtig an diejenige in Nordkorea erinnert, woran man sieht, wo die Koreaner ihren Ritus her haben) geht die richtige Parade los. Man kann ab ca. 0:25:00 sehr gut sehen, wie die russischen Soldaten über den Roten Platz marschieren. Ich will nicht sagen, dass die Russen nicht ordentlich marschieren, aber wenn man den Schritt mit dem der Chinesen und vor allem dem der Nordkoreaner vergleicht, dann schlurfen die Russen geradezu über den Platz.

Wie gesagt, ich bin kein Militarist, ich finde solche Paraden an sich nicht einmal gut. Es hat mich einfach nur mal interessiert, wie in verschiedenen Ländern die Soldaten bei Paraden so marschieren.

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