Die Bibliothek der Sprachenkunde von A. Hartleben’s Verlag

16.05.2015 cleaulem

seidel

Das Sammeln von Büchern ist eine Beschäftigung, der viele Studenten der Buchwissenschaft mit einer gewissen Leidenschaft nachgehen. Und da bilde ich keine Ausnahme. Wie viele Bücher ich genau besitze, kann ich nicht sagen, nur, dass die Zahl der Bücher in meinem Besitz sich dem vierstelligen Bereich nähern müsste. Meine Sammlung setzt sich aus Büchern zusammen, die ich selbst erworben habe, aber auch aus Büchern, die schon früher Familienmitgliedern gehört haben. Ein großer Teil meiner Sammlung besteht aus Sachbüchern zu allen möglichen Themen, und ein großer Teil von diesen setzt sich seinerseits aus Büchern über Sprachen und Linguistik zusammen.

Ich besitze viele Bücher über Sprachen, über Sprachführer, Wörterbüchern, Grammatiken bis hin zu Büchern über Sprache allgemein. Doch habe ich einige Bücher in meinem Besitz, die innerhalb meiner Sammlung eine Besonderheit darstellen. Es sind fünf Bücher aus der Reihe „Bibliothek der Sprachenkunde“ von A. Hartlebens’s Verlag.

Was macht diese Bücher für mich nun so besonders? Zuerst einmal ist es ihr Alter. Diese Bücher sind zweifelsohne alt, über hundert Jahre sicherlich. Keines dieser Bücher hat eine Jahreszahl im Impressum, so dass man über andere Indizien auf ihr Alter schließen muss. Sehr hilfreich dabei ist besonders der Band „Praktische Grammatik der Hauptsprachen Deutsch-Südwestafrikas“. Denn dieser lässt darauf schließen, dass dieses Buch vor dem Ersten Weltkrieg, in dem Deutschland seine Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ verlor, gedruckt wurde.

Wir können das Datum des Druckes sogar noch besser eingrenzen. Die Orthographie in dem Buch entspricht derjenigen nach der II. Orthographischen Konferenz von 1901, so dass dieses Buch nach diesem Jahr gedruckt worden sein muss. In diesem Buch werden die Sprachen der Herero und der Nama behandelt, ohne dass es den geringsten Bezug zum Völkermord an diesen Volksgruppen ab 1904 gäbe. Dies lässt darauf schließen, dass dieser Sprachführer vor 1905 entstanden sein muss. Es lässt sich also mit ziemlicher Sicherheit der Zeitraum von 1901 bis 1905 für den Druck dieses Buches eingrenzen.

Ähnliches lässt sich zu den anderen vier Büchern aus dieser Reihe, die in meinem Besitz sind, sagen. Die Gestaltung, vor allem des Einbandes und des Titelblattes, ist bei allen Bänden identisch, so dass alle Bücher ungefähr zur selben Zeit entstanden sein müssen. Man kann also für all diese Bücher ein Alter von ungefähr 110 Jahren annehmen.

Das Alter dieser Bücher spielt für den Wert, den sie für mich haben, in mehrerlei Hinsicht eine große Rolle. Natürlich ist es an sich schon reizvoll, alte Bücher zu sammeln. Doch Bücher über Sprachen sind in diesem Fall noch einmal besonders interessant. Zur damaligen Zeit hatte man eine andere Sicht auf Sprachdidaktik als heute. Auch die Art und Weise, wie Sprachen, die nicht der indoeuropäischen Sprachfamilie angehören, beschrieben wurden, unterscheidet sich fundamental von der heutigen Sichtweise.

Die Bibliothek der Sprachenkunde ist als Sammelobjekt aber auch durch ihren Umfang interessant. Im Verlagsprogramm, in einem der Bände in meiner Sammlung abgedruckt, sind über siebzig Bände dieser Reihe aufgezählt. Dieser Umfang ist für diese Zeit beispiellos und auch in späteren Jahrzehnten gibt es keine Reihe von Sprachenbüchern, die einen solchen Umfang hätte. Erst die Kauderwelsch-Reihe des Reise-Know-How Verlages hat später einen ähnlichen Umfang erreicht, ohne dass deren Sprechführer aber die inhaltliche Qualität der Bibliothek der Sprachenkunde erreicht hätten.

Man hat hier also allein im Umfang der Reihe einen großen Anreiz, um diese Bücher zu sammeln. Außerdem ist es durch das hohe Alter der Bücher schwieriger, an Exemplare heranzukommen. Dies gilt besonders für Bände, die besonders exotische Sprachen behandeln. Als Beispiel sei hier Band 13 zu Volapük genannt, einer Sprache, die 1879 von Prälat Schleyer als neutrale Weltsprache erfunden wurde. Es ist unglaublich schwer, an ein solches Exemplar zu kommen. Und wenn man mal ein solches findet, muss man sehr viel Geld dafür hinlegen.

Ich selbst besitze bereits fünf Bände aus dieser Reihe. Außer den bereits erwähnten „Hauptsprachen“ besitze ich je einen Band über Sanskrit, Rumänisch, Hindustani (heute Hindi und Urdu genannt) und die japanische Schriftsprache. Ich halte diese Bände in besonderen Ehren, gehe mit ihnen auch allgemein sehr pfleglich um und betrachte sie als Glanzstücke meiner Büchersammlung. In Zukunft möchte ich diese Sammlung erweitern, je nach Gelegenheit und Geldbeutel.

Auch aus buchwissenschaftlicher Sicht sind diese Bücher ein interessanter Forschungsgegenstand. Die verschiedenen Gestaltungselemente, die damalige typographische Gestaltung, die Publikationsgeschichte der Reihe im Ganzen und viele anderen Faktoren machen diese Buchreihe zu einem sehr interessanten Betätigungsfeld.

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