Petrodollar und neureiche Proleten

05.06.2015 cleaulem

adler

Solche Geschichten kennen wir doch alle aus der eigenen Kindheit: Man ist in einem Bereich sehr gut, gehört vielleicht sogar zu den Besten. Doch dann kommt so ein reiches Kind daher, und dessen Vater, Inhaber einer großen Firma, kauft diesem die neueste und teuerste Ausrüstung, lässt es durch die besten Trainer in Höchstform trainieren und besticht vielleicht sogar Juroren oder Schiedsrichter, damit es ja der Beste wird und gewinnt. Und alle feiern dieses reiche Kind und bewundern es. Aber bei einem selbst bleibt dieses dumpfe ungute Gefühl zurück, dass es diesen Sieg gar nicht verdient hat. Dass es unter den gleich Bedingungen wie man selbst nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte. Dass der Sieg eigentlich nur gekauft war.

Etwas Ähnliches lässt sich heutzutage sehr gut auf internationaler Ebene beobachten. Und zwar sind es hier die Araber, die die Rolle des reichen Kindes einnehmen, die überall mitspielen wollen, die alles für sich beanspruchen, ohne wirklich etwas dafür tun zu wollen. Und die sich ihre Siege kaufen, obwohl sie eigentlich nicht den Hauch einer Chance hätten.

Die Länder am Persischen Golf sind eigentlich arme Wüstenstaaten. Es gibt kaum Landwirtschaft, Rohstoffe gibt es auch nicht sehr viele und an Kultur ist diese Gegend auch nur bedingt reich. Doch, einen Rohstoff gibt es, der diese Länder unfassbar reich gemacht hat: Erdöl. Bis in die vierziger Jahre war diese Gegend bettelarm, nur von einigen Nomadenstämmen bewohnt, die mit ihren Kamelen durch die Gegend zogen. Sie wurden auch nicht wirklich von den anderen „bedeutenden“ Ländern beachtet. Warum auch?

Doch dann kam das Erdöl. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute ist es das Schmiermittel und der Treibstoff der Weltwirtschaft. Die OPEC konnte in den siebziger Jahren die westliche Welt quasi lahmlegen, indem sie ihr das Öl abgedreht haben. So wurden die Staaten am Persischen Golf unglaublich reich.

Wenn ein armer Dorfbewohner, der vorher nie viel hatte und der auch keinen großartige Bildung genossen hat, plötzlich zu Geld kommt, was passiert dann? Er dreht frei! Er kauft sich ein riesiges, hässliches und geschmacklos eingerichtetes Haus, eine riesige Protzkarre und prahlt mit seinem Reichtum. Und er bildet sich ein, er könnte sich alles erlauben und alles würde ihm zustehen. Genauso verhalten sich auch die Golfstaaten.

Wenn man sich anschaut, wie die Eliten dieser Länder mit dem Geld prassen, dann kann einem schon schwindlig werden. Ob Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Katar, all diese Länder tragen ihren Reichtum ungeniert zur Schau. An der Golfküste schießen die Wolkenkratzer in die Höhe. In Dubai steht mit dem Burj Chalifa gar das höchste Gebäude der Welt. Die VAE sind in dieser Hinsicht besonders größenwahnsinnig, was die Bauprojekte angeht. Man denke nur an „The World“, die nur ein Höhepunkt der baulichen Gigantomanie ist.

Dieser monetäre Größenwahn wird aber auch in anderer Hinsicht deutlich. Nun wollen die Araber überall mitmischen, und zwar gleich ganz vorne. Im Sport, in der Wirtschaft, in der Kultur: überall wollen sie den Ton angeben. Das Pfingstturnier in Wiesbaden hat ein Saudi gewonnen. Warum hat er gewonnen? Er war zweifelsohne ein guter Reiter. Aber es hat sicherlich auch geholfen, dass ihm ein Spitzenpferd und ein Spitzentrainer zur Verfügung standen und sowieso die volle Unterstützung, die man für Geld nur kaufen konnte.

Oder die Handball-WM in Katar. Der Gastgeber ist tatsächlich Vizeweltmeister geworden. Ist Katar tatsächlich eine so große Handballnation? Nein, denn die Spieler, die für diesen Erfolg verantwortlich waren, wurden aus aller Herren Länder eingekauft, um für Katar zu spielen. Der Erfolg war also auch hier ausschließlich eine Frage des Geldes.

Das allerbeste Beispiel ist aber die Fußball-WM 2022, die ebenfalls in Katar stattfinden soll. Jetzt fliegt der FIFA gerade ein riesiger Korruptionsskandal um die Ohren, in der auch langsam klar wird, dass die Vergabe der WM an Katar nicht mit rechten Dingen abgelaufen sein könnte. Ach wirklich? Damit konnte ja NIEMAND rechnen!1!! Aber mal im Ernst: Dass die WM an Katar vergeben wurde, war von Anfang an fragwürdig.

Katar ist keine traditionelle Fußballnation. Die Nationalmannschaft dümpelt im letzten Viertel der Weltrangliste. Das heiße Wüstenklima Katars lässt es nicht zu, im Sommer dort Fußball zu spielen. Jetzt soll die WM 2022 sogar gegen Weihnachten stattfinden. Es gibt so überhaupt keinen vernünftigen Grund, warum gerade dieses Land eine Fußball-WM ausrichten sollte. Außer es hat sich dieses Privileg gekauft. Man muss schon ziemlich dreist oder dumm oder beides sein, um wirklich behaupten zu können, dass da keine Korruption im Spiel war.

Diese ganzen Geschichten erinnern an das reiche Kind, dass Ruhm und Ehre für sich beansprucht, ohne etwas dafür geleistet zu haben. Den Golfstaaten ist der Reichtum quasi zugefallen, und jetzt wollen sie überall mitspielen und ernstgenommen werden. Sie kaufen sich alles ein: das Know-How, die Kultur, die Kompetenz. Doch bleibt da immer dieses Gefühl, dass sie es eigentlich nicht verdient haben, dass ihnen das alles nicht zusteht. Ohne dieses Geld wären sie NICHTS. Die Golfstaaten würden auf dem Niveau von Schwellenländern vor sich hindümpeln und auf diplomatischer Ebene würde man sie nicht mal wahrnehmen.

Ohne ihre Petrodollar wären diese Länder nur unbedeutende Wüstenstaaten. Sie haben alles, was sie erreicht haben, nicht aus eigener Kraft geschafft, sondern sich alles nur eingekauft. Irgendwann wird ihnen das sicherlich mal zum Verhängnis werden, wenn sich die Leere in der Gesellschaft nicht mehr mit Geld verdecken lässt. Die Gesellschaftsstruktur in diesen Ländern ist, gelinde gesagt, archaisch. Kulturell und gesellschaftlich haben sich diese Länder nicht weiterentwickelt. Sie mussten es ja nie, sie haben ja Geld. Sie sind also wie der arme Dörfler, der zu Reichtum gekommen ist, in einem teuren Palast wohnt, ein teures Auto fährt, sich wie ein Graf kleidet, aber in seinem Kopf immer noch der arme Schlucker ist und immer bleiben wird. Und es gibt nichts unerträglicheres als neureiche Proleten.

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Ein Kommentar»»

  1. Sehr zutreffend! Wir mussten diese Leute gerade in London in einem „besseren“ Hotel ertragen. Schade um das Geld. Mit diesen unhöflichen Proleten war es eine einzige Zumutung. Die Typen angezogen wie Penner, am Buffet gedrängelt. Die Frauen keifende Tuschkästen in Schwarz mit Chanel-Tasche. Alle spielen mit ihrem Handy, kein einziger liest, nicht mal ein Frauenmagazin. Die kleinen Prinzen benehmen sich unterirdisch, Füße auf dem Tisch etc. Diese ganze unmögliche Truppe aber arrogant wie sonst was. Dienstmädchen, Phillipina, verschreckt und mager. Es war widerlich. Aber das ganze Hotel auf diese vulgären Leute ausgerichtet, wir mussten halal essen. Die Prinzlein rasen mit hässlichen Luxuskarren wie die Irren und riskieren locker das Leben anderer. Eine Welt ohne echte Unterhaltungen, Bücher, Theater, Musik. Die Köpfe total leer. Andere Menschen sind quasi nicht vorhanden, die dienen nur der Befriedigung einfacher Bedürfnisse. Die Frauen shoppen und fressen. Es war erschreckend. Worauf sind diese Leute stolz? Aus unserem Kulturverständnis heraus ist da gar nichts.

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