Flüchtlinge

23.06.2015 cleaulem

rheinufer

Vorgestern Abend ging ich mit meiner Freundin am Rhein spazieren. Es war recht kühl, der Himmel war bedeckt, doch es war trotzdem ein angenehmer Abend. Da fiel uns plötzlich ein junger Mann auf. Er war sehr dünn, hatte schwarze, gelockte Haare und eine dunkle Hautfarbe. Das musste wohl ein Flüchtling sein, dachten wir uns. Er stand da in Gedanken versunken mit Kopfhörern in den Ohren und blickte in Gedanken versunken auf den Fluss hinaus.

Was er wohl dachte, als er da stand und unentwegt aufs Wasser hinausblickte? Wir werden es nie erfahren. Welches Schicksal diesen Mann wohl hierher geführt hat. Was er wohl auf seinen Weg nach Deutschland alles erlebt haben mag. Wen er wohl in seiner Heimat hat zurücklassen müssen, mit wem er sich wohl auf den Weg gemacht hat. Ob er mitansehen musste, wie ein geliebter Mensch auf dem Weg starb? Sein nachdenklicher Blick verriet, dass er viel mitgemacht haben musste.

Wir gingen weiter, tranken ein Glas Wein und machten uns eine schöne Zeit. Als wir nach einer guten Stunde zurückgingen, stand er immer noch da an der selben Stelle und blickte immer noch mit traurigen Augen auf den Fluss. Wie lange er schon dagestanden hatte, wie lange er später noch dort stand, wir wissen es nicht. Doch dieser Anblick machte uns doch sehr nachdenklich.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen. Da wird gesagt, dass diese ganzen Flüchtlinge ja alles „Wirtschaftsflüchtlinge“ seien, die nur nach Europa kommen wollen, um es sich auf unsere Kosten gut gehen zu lassen. Die sollen gefälligst bei sich arbeiten, dann geht es ihnen auch gut!1!! Doch diese Sichtweise ist falsch.

Mal angenommen, es gäbe da ein Land, in dem der Lebensstandard unendlich viel höher ist als bei uns. Dieses Land ist auf der anderen Seite des Meeres. Man muss tausende Kilometer zurücklegen, um dorthin zu kommen. Und man kommt nur unter Lebensgefahr dorthin. Viele andere haben sich schon auf den Weg gemacht und sind dabei in dem Meer ertrunken. Würden da wirklich die Leute in Heerscharen auf den Weg machen, nur um anderen auf den Taschen zu liegen?

Nein, das würden sie nicht. Denn dafür sind sie zu bequem. Und das würden die Flüchtlinge, die versuchen, nach Europa zu kommen, auch nicht tun. Denn es ist keine Gier, sondern die blanke Not, die sie nach Europa treibt. Diese Leute flüchten vor dem sicheren Tod, sei es durch Krieg oder Hunger. Dass Flüchtlinge unser „sauer verdientes“ Geld schmarotzen wollen, ist eine böse Legende. Wenn das nämlich stimmen würde, dann würden sich diese Leute doch nicht den beschwerlichen Weg zu uns machen. Das widerspricht sich irgendwie.

Die Menschen, die nach Europa kommen, in ein fremdes Land, dessen Sprache und Kultur sie nicht kennen, sie haben viel durchgemacht. Sie haben oft schreckliche Dinge gesehen, mussten unter schwersten Entbehrungen viele Kilometer zu Lande und auf dem Wasser zurücklegen. Was dieser Mann am Rheinufer auf seinem Weg nach Deutschland alles erlebt haben muss, ich will es nicht wissen. Aber so wie er aussah, kann es nichts schönes gewesen sein.

Kategorie: Politik, Trauriges
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