Die Raumsonde, die zu einem Planeten flog und bei einem Zwergplaneten ankam

15.07.2015 cleaulem

pluto

Gestern war für die Wissenschaft ein ganz besonderer Tag. Denn um 13:49 MESZ ist die Raumsonde New Horizons am Zwergplaneten Pluto vorbeigeflogen. Neuneinhalb Jahre war die Sonde unterwegs, nur für diesen Moment. Es ist das erste Mal, dass ein von Menschen gebautes Objekt Pluto und seine fünf Monde besucht. Und es wird wohl auch das letzte Mal für eine sehr lange Zeit bleiben. Für die meisten von uns ist dies ein einmaliger Moment, den wir so nicht noch einmal erleben werden.

Für mich ist das auf jeden Fall ein besonderer Moment. Denn als Kind wird es mir wohl so gegangen sein wie vielen, dass Pluto mein „Lieblingsplanet“ war. Er war ein richtier Underdog, der so gar nicht in das Schema der anderen Planeten passen wollte. Es gibt ja die inneren Planeten, die aus Fels bestehen, und die äußeren Gasriesen, die keine feste Oberfläche besitzen. Und dann kam Pluto, der in jeder Hinsicht aus der Reihe tanzte. Er war sehr viel kleiner als die äußeren Gasplaneten und seine Bahn um die Sonne ist absolut unregelmäßig im Vergleich zur Ebene, auf der sich die anderen Planeten des Sonnensystems wie auf einer Scheibe um die Sonne bewegen. Doch gerade diese Ausnahmeerscheinung hat Pluto einen Platz im Herzen vieler Planetenfans gesichert.

Doch Plutos Status kam ins Wanken. Jenseits der Neptunbahn wurden weitere größere Objekte entdeckt, die ähnliche Eigenschaften wie Pluto haben. Eris beispielsweise wurde 2005 entdeckt und ist wahrscheinlich sogar größer als Pluto. Nun stellte sich natürlich die Frage, ob man die Liste der Planeten ergänzen sollte oder ob man den Status von Pluto noch einmal überdenken sollte. Am 23. August 2006 beschloss die Internationale Astronomische Union schließlich eine neue Planetendefinition, nach der Pluto kein Planet mehr war, sondern zur neu geschaffenen Klasse der Zwergplaneten zählen sollte.

Damals führte diese Entscheidung zu einer fürchterlichen Aufregung unter Pluto-Fans, auch bei mir. Pluto wurde geradezu degradiert, wo er doch für viele Leute der Lieblingsplanet war. Inzwischen habe ich mich mit dieser neuen Definition ganz gut abgefunden, denn logisch gesehen ist Pluto eigentlich kein Planet wie die anderen. Trotzdem wird Pluto immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben und einer meiner „Lieblingskörper“ im Sonnensystem sein. Interessant ist übrigens, dass bei der Pressekonferenz, die die leitenden NASA-Wissenschaftler heute gaben, Pluto die ganze Zeit als Planet bezeichnet wurde. Der Senat von Indiana, dem Heimatstaat von Plutos Entdecker Clyde Tombaugh, hat übrigens beschlossen, Pluto weiterhin als Planeten zu betrachten.

Bilder von einer unbekannten Welt

Der Plutotransit von New Horizons war für die Wissenschaft und für die gesamte Menschheit ein einmaliges Ereignis, denn es wurde absolutes Neuland betreten. Nie zuvor hatte eine Raumsonde ein Objekt jenseits der Neptunbahn besucht und beobachtet. Und als New Horizons gestartet wurde, war Pluto noch ein Planet. Man kann also sagen, dass jetzt alle NEUN Planeten von einer Raumsonde besucht wurden.

Während ihrer Annäherung hatte New Horizons immer bessere Bilder von Pluto und Charon, seinem größten Mond gemacht. Die Spannung stieg ins Unermessliche. Ich habe regelmäßig die neuesten Bilder beobachtet und gestaunt. Und je näher die Sonde dem Pluto kam und je besser die Bilder wurden, desto neugieriger wurde ich selbst. Und meine persönlichen Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Pluto ist einfach nur wunderschön.

Durch diese Bilder haben die Wissenschaftler schon jetzt erstaunliche Erkenntnisse gewinnen können. Pluto hat Berge, die eine Höhe von 3.500 Meter erreichen. Es wird sich dabei wohl um Berge aus Wassereis handeln, also quasi Eisberge. Auf dem ersten detaillierten Bild der Plutooberfläche, das heute veröffentlicht wurde, sind keine Einschlagskrater sichtbar. Das deutet darauf hin, dass die Oberfläche des Pluto geologisch sehr jung sein muss, also weniger als 100 Millionen Jahre alt. Was bedeutet das? Es bedeutet, dass es im inneren des Pluto geologische Prozesse ablaufen müssen. Dies wurde schon bei Triton und anderen Planetenmonden beobachtet. Doch Pluto kreist um keinen größeren Planeten, dessen Gezeitenkräfte solche geologischen Aktivitäten auslösen könnten, so dass diese Erkenntnis wirklich erstaunlich ist.

Auf Plutos Mond Charon hat man mehrere Canyons gefunden, die teilweise über 900 km lang  und 4 bis 6 km tief sind. Auf einem Bild von Charon kann man am einen Rand des Mondes eine Delle sehen, die ein Canyon in die Oberfläche geschlagen hat. Auch bei Charon deutet die geologische Beschaffenheit auf innere Aktivitäten hin.

Ein Volltreffer

Was ich an dieser Mission besonders erstaunlich finde ist die Tatsache, wie es den Forschern gelungen ist, mit dieser kleinen Raumsonde den Pluto so genau zu treffen. Der Flugkorridor war gerade mal 1400 km groß. Pluto ist knapp 4,5 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Das ist ungefähr so, als würde man einen Stein von New York aus über den Atlantik werfen und ein Fußballtor an der französischen Atlantikküste treffen. Eine weitere Besonderheit ist, dass New Horizons mit der größten jeweils erreichten Geschwindigkeit von 16,21 km/s die Erde verlassen hat. Trotzdem hat diese Reise so lange gedauert, was ja zeigt, wie weit Pluto von der Erde tatsächlich entfernt ist.

New Horizons war neuneinhalb Jahre unterwegs für diesen einen Tag, für diesen einen Vorbeiflug zum Pluto. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt. Für die Menschen, die bei diesem Projekt mitgearbeitet haben, war dies einer der wichtigsten Tage ihres Lebens. Und für mich wurde ein Traum wahr, den ich seit meiner Kindheit hatte. Ich weiß endlich, wie der Pluto aussieht und habe Einblick in eine fremde Welt erhaschen können. Gratulation New Horizons.

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