Have historical novelists done more than historians to recover the life and texture of the past?

31.07.2015 cleaulem

historie

Haben die Autoren historischer Romane mehr als Historiker zur Wiedererlangung des Lebens und der Verhältnisse in der Vergangenheit beigetragen?

Historische Romane haben viele Fans. In diesen Romanen wird aus einer bestimmten Epoche erzählt und dabei das Leben und die Verhältnisse zu dieser Zeit dem Leser anschaulich gemacht. Für mich sind die zwei herausragendsten Beispiele „Sinuhe der Ägypter“ von Mika Waltari und „Der Name der Rose“ von Umberto Eco. Ich habe diese beiden Romane selbst gelesen und werde mich auch hier auf sie beziehen, wenn ich von historischen Romanen spreche.

Was diese beiden Romane ausmacht, ist ihre historische Genauigkeit. Waltari hat für seinen Sinuhe lange und ausführliche Recherchen angestellt. In der ägyptologischen Fachwelt gilt der Roman wegen seiner Exaktheit als herausragend, die politischen und sozialen Verhältnisse in Ägypten zur Zeit des Pharaos Echnaton werden sehr anschaulich und exakt wiedergegeben. Dasselbe gilt für Ecos Namen der Rose. Eco gibt ein sehr genaues Bild vom Leben und Arbeiten in einer Benedektinerabtei im 12. Jahrhundert.

Doch nur weil diese Romane in ihrer Historizität so penibel sind, bedeutet dies nicht, dass sie langweilig wären. Im Gegenteil. Beide Romane habe ich seinerzeit geradezu verschlungen, weil sowohl Waltri als auch Eco hervorragende Geschichtenerzähler sind, die ihren Figuren Leben einzuhauchen verstehen. Und so wird auch eine weitere Ebene der Authentizität transportiert: Man kann sich in die Figuren hineinversetzen. Man kann sich mit den Protagonisten der Romane identifizieren und so den historischen Kontext noch besser verstehen lernen. Man ist quasi selbst als Akteur dabei, anstatt bloß als Zuschauer von außen auf das Geschehen hinabzuschauen.

Man könnte also durchaus meinen, dass die Autoren von historischen Romanen mehr zur Aufdeckung der damaligen Verhältnisse beitragen würden als Historiker. Doch muss man hierbei eines bedenken: Dazu ist eine historische Genauigkeit unabdingbar. Der Roman muss sich sehr genau an die historischen Fakten halten. Es darf nichts dazuerfunden werden, was dem tatsächlichen Verlauf der Geschichte eklatant widerspricht. Eine historische Figur muss so dargestellt werden, wie die Quellenlage es plausibel erscheinen lässt. Dadurch ist es eine umso größere Kunst, einen historischen Roman zu schreiben als einen Science-Fiction-Roman, in dem der Autor bloß durch seine eigene Fantasie begrenzt wird, da er sich nicht an tatsächliche Begebenheiten orientieren muss.

Selbstverständlich ist auch ein historischer Roman ein fiktives Werk. Im Rahmen wahrer Begebenheiten werden fiktive Geschichten erzählt. Dabei ist aber die Plausibilität wichtig. Fantastische Elemente wie Magie oder Technik, die es zu dieser Zeit noch nicht gab, sind tabu. Die Geschichte muss zumindest möglich sein. Ein guter historischer Roman könnte sich genauso abgespielt haben.

Jetzt aber zur Eingangsfrage. Hier wird das Wort „recover“ verwendet. Man kann es mit „wiedererlangen“ oder „wiedergewinnen“ übersetzen. Die Frage ist hier also, inwiefern die Historienautoren die Welt der Vergangenheit eher zum Leben erwecken als die Historiker.

Wie ich bereits schrieb, sollten historische Romane historisch so genau wie irgend möglich sein. Und wo bekommt der Schriftsteller seine Kenntnisse her? Er recherchiert historische Fakten, liest Originalquellen und die aufbereiteten Forschungsergebnisse von Historikern. Seine Arbeit baut also im Wesentlichen auf die Rekonstruktion der historischen Lebenswirklichkeit durch Historiker auf. Ohne diese wäre jeder historische Roman nichts weiter als ein Stochern im Trüben, wilde Spekulationen zu historischen Figuren, die man vom Hörensagen her kennt.

Den Grundstock der historischen Romane liefert also die Geschichtswissenschaft mit ihrer Forschung. Die Romanautoren tun nichts weiter, als diese Forschungsergebnisse in eine Erzählung zu verpacken. Sie machen diese Ergebnisse also durch die Erzählweise einem breiteren Publikum schmackhaft. Denn als Laie wird man eher einen Roman lesen, der im Mittelalter spielt, als einen Zeitschriftenartikel über die Münzpolitik im Heiligen Römischen Reich.

Man kann also feststellen, dass die Autoren historischer Romane keinen größeren Beitrag dazu leisten als Historiker, was die Wiedergewinnung der damaligen Verhältnisse angeht. Sie machen sie nur leichter zugänglich. Die Menschen, ihre Gefühle und ihre Gedanken, werden wieder lebendig. Ihnen wird wieder eine Stimme gegeben. Man kann sich leichter in diese Welt hineinversetzen als wenn man bloß eine trockene abstrakte Beschreibung liest. Doch sind es die Historiker, die diese Lebenswirklichkeit soweit rekonstruieren, dass man sie überhaupt glaubwürdig nachzeichnen kann.

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