Wie kann man nur so dumm sein?

30.09.2015 cleaulem

frosch

Und wieder einmal ist ein Plagiatsfall an die Öffentlichkeit gedrungen. Der Fall einer bekannten Politikerin, diesmal Ursula von der Leyen. Vor 25 Jahren schrieb sie ihre Dissertation in Medizin, und die Aktivisten von Vroniplag haben schwerwiegende Fehler in der Arbeit gefunden; von der Leyen hat also weite Passagen ihrer Arbeit abgeschrieben, ohne die Quelle zu nennen.

Und wieder geht das Geschachere los. Die einen sagen, von der Leyen muss sofort von allen Ämtern zurücktreten und sowieso. Die anderen relativieren die ganze Geschichte, es sei ja schon 25 Jahre her, und irgendwann müsse ja mal gut sein. Es geht sogar so weit, dass einige eine Verjährungsfrist fordern, nach der man einen Doktortitel aufgrund von Plagiat nicht mehr aberkennen könne.

Der Jura-Professor sagte, es sei zwar richtig, dass der Doktortitel zu Beginn der Karriere Vorteile bringe, aber dieser Vorteil schwinde, je länger das Berufsleben andauere. „Durch den Entzug des Doktortitels wird der soziale Geltungsanspruch einer Person zerstört.“

Und wo ist da jetzt das Problem? Genau das ist doch das Problem: Der Doktortitel bringt in der Karriere vor allem am Anfang Vorteile, die mit der Zeit eben nicht schwinden, sondern sich sogar akkumulieren. Mit dem Doktortitel kann man sich viele Türen öffnen, die einem die Karriere sogar sehr beschleunigen. Und viele Menschen wären ohne diesen Titel auch nicht in ihrer jetzigen Position. Die anfänglichen Vorteile verschwinden ja nicht wieder, denn der eigene Status baut ja auf die Leistungen und Meriten der Vergangenheit auf. Insofern ist diese Aussage Augenwischerei.

Dass der soziale Geltungsanspruch einer Person zerstört wird, wenn der Doktortitel entzogen wird, ist zutreffend. Und es ist richtig. Denn ein durch unlautere Mittel erschlichener Doktortitel ist schlicht und ergreifend Betrug. Man gibt vor jemand zu sein der man nicht ist. Und daran ändert auch der Zeitraum, der seit diesem Betrug vergangen ist, nichts. Man hat den jetzigen Status durch Betrug erlangt, und das ist einfach nur falsch. Man hätte ja nicht zu betrügen brauchen!

Es ist doch auch die Krux, dass man einem Politiker vertrauen muss. Ich weiß, das ist jetzt sehr witzig, wir wissen ja alle, wie vertrauenswürdig Politiker sind. *g* Aber trotzdem will ja ein Politiker seine Wähler vertreten. Und deshalb muss man sich auch darauf verlassen können, dass er kein Betrüger ist, damit man darauf vertrauen kann, dass er seine Arbeit richtig macht und nicht seine Wähler hintergeht. Wenn nun ein Politiker seinen Doktortitel mit unlauteren Mittel wie Plagiat erschlichen hat, dann kann man nicht sicher sein, ob er nicht auch an anderen Stellen ähnlich unlauter gehandelt hat. Und deshalb ist ein solcher sozialer Geltungsanspruch einer Person, die so etwas getan hat, sowohl juristisch als auch moralisch absolut berechtigt. Wer seinen Doktortitel erschlichen hat, um damit seine Karriere voran zu bringen, hat moralisch einfach verspielt. Daran sollte auch eine Verjährung nichts ändern.

Irgendwie ist es auch komisch, dass bei CDU-Politikern immer solche Ausnahmen gemacht werden sollen. Wenn mal ein SPD- oder Grünen-Politiker mal derart Dreck am Stecken haben sollte, würden sich dieselben Herrschaften, die sich für von der Leyen einsetzen, doch sofort auf den Plagiator stürzen und seinen SOFORTIGEN Rücktritt fordern. Aber das nur am Rande…

Plagiat ist einfach nur dumm

Kommen wir jetzt zum Kernpunkt dieses Textes: Das wissenschaftliche Arbeiten. Ich studiere ja schon seit geraumer Zeit und habe in dieser Zeit eine recht ansehnliche Menge an wissenschaftlichen Hausarbeiten verfasst. Einige von denen wurden sogar recht gut benotet, so dass man nicht sagen kann, dass ich dabei geschlampt hätte. Nun will ich einfach mal ganz frech behaupten, dass ich also wissenschaftliches Arbeiten und das richtige zitieren ganz gut beherrsche.

Heutzutage werden an Studenten mittlerweile sehr strenge Maßstäbe angesetzt was das wissenschaftliche Arbeiten und vor allem die richtige Zitation angeht. Von Anfang an wird einem eingebläut, wie wichtig es ist, ordentlich zu zitieren. Ansonsten wird einem mit Hölle, Tod und Teufel und der Exmatrikulation und anderen Höllenstrafen gedroht. Inzwischen nimmt man dieses Thema sehr ernst. Denn Plagiat ist tatsächlich kein Kavaliersdelikt.

Früher wurde das nicht ganz so eng gesehen. So habe ich mal mit der Dissertation einer Dozentin, die an meinem Institut lehrt, gearbeitet. Diese kam Anfang der 1990er Jahre heraus und war, was heutige Maßstäbe angeht, in ihrer Zitation abenteuerlich. Ich will damit um Gottes willen nicht sagen, dass die Frau plagiiert hätte (ich nehme einfach mal an, dass sie es nicht getan hat), sondern dass es teilweise einfach nur recht schwer war, die Zitation logisch nachzuvollziehen. So hat es mich an einer Stelle einige Mühe gekostet, herauszufinden, was sie mit einer bestimmten Literaturangabe in den Fußnoten genau sagen wollte. Heutzutage würde man eine solche Zitierweise wahrscheinlich nicht mehr in einer Dissertation durchgehen lassen, damals war das kein großes Problem.

Ich will damit jetzt niemanden in Schutz nehmen. Plagiat ist Plagiat und lässt sich nicht dadurch rechtfertigen, dass man früher einfach nicht so genau hingeschaut hat. Aber es war definitiv einfacher, mit solchen Methoden durchzukommen und sich so den Doktortitel zu erschleichen.

Plagiat an sich ist unnötig und dumm. Ich kann als jemand, der selbst zitiert und auf andere Werke Bezug genommen hat, nicht verstehen, was das tumbe Abschreiben ohne Angabe der Originalquelle einem eigentlich bringen soll. Ich bin der Ansicht, dass es einem nicht mal wirklich Arbeit spart.

Meine Zitiermethode

Ich will hier einfach mal kurz meine Herangehensweise an eine Hausarbeit und die dazugehörige Zitation beschreiben. Natürlich sammle ich am Anfang Literatur zu meinem Thema. Ich kopiere mir die relevanten Stellen aus den jeweiligen Büchern heraus und bearbeite diese zuhause. Dabei gehe ich systematisch vor. Ich markiere die relevanten Informationen mit Textmarker und schreibe sie mir in ein Worddokument heraus. Dabei achte ich immer darauf, dass ich die korrekte Literaturangabe am Anfang hinschreibe und zu der jeweiligen Information die Seitenzahl dazuschreibe. Dies mache ich mit mit jedem Werk, das ich verwende.

Nun fange ich an, nachdem ich mir natürlich vorher den Aufbau der Arbeit überlegt habe, diese anhand meiner Informationen niederzuschreiben. Dabei nehme ich natürlich meine Notizen zur Hand und entnehme diesen die Informationen, die ich gerade brauche. Gleichzeitig füge ich die entsprechenden Fußnoten mit der jeweiligen Zitationsangabe ein. So stelle ich sicher, dass ich keine fremde Information übernehme, ohne dass sie ordentlich belegt ist.

Auf diese Weise kann ich alle relevanten Informationen in meinen Text unterbringen und dabei den Überblick über die Quellen dieser Informationen behalten. Gleichzeitig habe ich immer den Überblick, welche Informationen ich schon verwendet habe und welche ich noch unterbringen muss. Und einen unschlagbaren Vorteil hat die Arbeitsweise mit Notizen auch noch: Ich kann damit sicherstellen, dass ich die Informationen mit meinen eigenen Worten formuliere, ohne direkt aus der Quelle abzuschreiben. Denn das ist das Problem bei vielen Plagiatsfällen: Die Herkunft der Aussage wird zwar oft genug mit angegeben, aber dabei wird nicht angegeben, dass tatsächlich die gesamte Aussage Wort für Wort übernommen wurde.

Ich will jetzt nicht behaupten, dass meine Methode die einzig richtige wäre oder dass sie für jeden funktioniert. Ich bin mit ihr aber sehr gut gefahren, was auch meine Noten beweisen, und ich kann damit mit absoluter Sicherheit vermeiden, dass meine Arbeiten in den Verdacht geraten könnten, plagiiert zu sein. Deshalb bin ich auch der Meinung, dass Plagiat absolut unnötig ist. Wenn Plagiat nicht vorsätzlich geschieht, dann doch aus einer schlampigen Arbeitsweise heraus. Und beides ist für eine wissenschaftliche Arbeit, die einen Doktortitel begründet, nicht entschuldbar. Wer eine Dissertation schreibt, sollte eine entsprechende Sorgfalt an den Tag legen, damit der Doktortitel auch begründet ist.

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