Es-tu Charlie? ̶ oder: sind Solidaritätsbekundungen in sozialen Netzwerken verlogen?

05.12.2015 cleaulem

es-tu-charlie

Dieser Text ist ein Beitrag in meiner Reihe „Examination Fellowship“ zur Frage „Are you Charlie?“ (Bist du Charlie?). Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Paris und der darauf folgenden Reaktionen hat diese Frage eine ganz neue Aktualität erhalten. So bietet sich aber auch die Möglichkeit, alte Sichtweisen neu zu bedenken und zu differenzieren. Es soll hier vor allem um die Solidaritätsbekundungen in sozialen Netzwerken und ihre Glaubwürdigkeit gehen.

Am 7. Januar 2015 wurden bei einem Terroranschlag auf das Redaktionsbüro der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris zwölf Menschen getötet. Dieses Ereignis hat eine enorme Welle von Solidaritätsbekundungen hervorgerufen. Nur wenige Stunden nach dem Anschlag verbreitete sich der Schriftzug „Je suis Charlie“, der von einem Graphiker als spontane Reaktion angefertigt wurde, in den sozialen Netzwerken. Viele Menschen, ob sie französisch waren oder nicht oder ob sie nun direkt mit Charlie Hebdo zu tun hatten oder nicht, teilten diese Graphik oder ersetzten gar ihr Profilbild in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter mit ihr.

Der Anschlag auf Charlie Hebdo wurde als ein Angriff auf die Pressefreiheit gesehen, und aus aller Munde kam die Forderung, genau diese besser zu schützen. Ironischerweise auch von Politikern, die auf den Sympathiezug aufsprangen und sich selbst in ein besseres Licht rücken wollten, die aber ansonsten wenig für eine Pressefreiheit übrig hatten, die sich kritisch mit den herrschenden Verhältnissen auseinandersetzte. Viele, die ihre Solidarität mit Charlie Hebdo in den sozialen Netzwerken bekundeten, hatten indes gar keinen oder nur einen geringen Bezug zum Pressewesen. Nur bei wenigen habe ich selbst diesen Zusammenhang sehen können, so wie etwa bei Oliver Kalkofe, der sich sehr deutlich zu diesen Anschlägen geäußert hatte, oder der Zeitschrift Titanic, die als Satirezeitschrift einen ähnlich kontroversen satirischen Stil wie Charlie Hebdo an den Tag legt.

(mehr …)

Flattr this

Fefe und der Sozialkonstruktivismus

04.11.2015 cleaulem

fefe

Über diesen Artikel in Fefes Blog bin ich auf diesen Artikel von Joscha Bach gestoßen, der darüber schreibt, wieso Fefe so sehr von Feministen angefeindet wird. Joscha fordert die Leser zuerst einmal auf nachzusehen, ob Fefes Gegner nicht Sozialkonstruktivisten seien.

Oje, ich lese Fefe!? Für viele ist das schon ein triftiger Grund, mich und meine Aussagen von vornherein nicht ernst zu nehmen. Denn viele betrachten Fefe-Leser so ähnlich wie Bild-Leser. Und die Tatsache, dass jemand Fefe liest, ist schon ein Totschlagargument, dass man sich nicht mal mit den Argumenten dieser Person auseinanderzusetzen braucht. So sieht es auch Michael Seemann:

Um das hier klar zu sagen: Ich lese Fefe nicht, und zwar wegen seiner mangelnden journalistischen, moralischen und diskursethischen Integrität. Wer ihn dennoch liest, kann von mir nicht erwarten, dass ich sie oder ihn noch irgendwie ernst nehme.

Wieso nicht? Ich konnte solche und ähnliche Aussagen nie nachvollziehen. Ich habe bei Fefe noch nie zu sehr vereinfachende, moralisch verwerfliche oder irgendwie anders unhaltbare Aussagen gefunden. Um es ganz offen zu sagen: Fefe hat in vielem recht. Und ich bin gewiss kein Fefe-Fanboy. Auch er vergreift sich das eine oder andere Mal im Ton oder er sagt Dinge, wo ich eine andere Position habe. Aber ihn dadurch gleich komplett abzuschreiben, zeugt nicht gerade von der Stärke der eigenen Argumente.

Wenn Fefe eines ist, dann absolut ehrlich. Er hält mit seiner Meinung nicht hinter den Berg. Er macht immer klar und deutlich, was er von seinem Gegenüber erwartet. So ist sein oberstes Ziel, seine Leser in Medienkompetenz zu schulen. Da bringt er auch mal Beiträge, die absichtlich missverständlich rüberkommen. Denn er will erreichen, dass sich seine Leser selbst über die Hintergründe informieren und nicht einfach nur unhinterfragt das schlucken, was er ihnen vorsetzt.

(mehr …)

Flattr this

%d Bloggern gefällt das: